Karriere

Berufliche Veränderung gefällig? Tipps von einem Berufs- und Karriereberater

Die größten Lehren ziehen wir aus persönlichen Krisen. Wenn Motivation und Zufriedenheit im Arbeitsalltag sinkt, ist es vielleicht an der Zeit, sich beruflich zu verändern. Wie dieser Prozess aussehen kann und wie eine professionelle Berufsberatung gestaltet wird, erzählt uns Coach Philipp Apke.

Julia Dillan

16.09.2021

Wegweiser vor dem Sonnenuntergang, die in verschiedene Richtungen zeigen

Javier Allegue Barros via Unsplash

Hi Philipp, stell dich doch mal vor.

Ich bin mittlerweile seit über zwölf Jahren im Bereich der Berufs-, Karriereberatung und Neuorientierung unterwegs. Ich komme eigentlich aus zwei Bereichen: zum Einen habe ich in verschiedensten Institutionen und Hochschulen gearbeitet und habe so gelernt, wie man Menschen in den Beruf begleitet, zum anderen habe ich in der klassischen Wirtschaft in Personal- und Coachingrollen gearbeitet. Ich wollte damals aber den Menschen mit der ganzen Persönlichkeit kennenlernen, und das ging in diesem Kontext immer nur bedingt. Mittlerweile bin ich über tageinz. selbstständig und berate Schüler*innen, Studierende und Berufserfahrene. Außerdem bin ich in Leipzig als Career Development Manager an der Handelshochschule in Leipzig tätig. 

Wie ist es dazu gekommen, dass du Berufs- und Karriereberater geworden bist?

In jedem Job gibt es Höhen und Tiefen. Manchmal jedoch kommt man an einen Punkt, an dem man denkt: “Mensch, ich lerne hier eigentlich nicht mehr viel” und dann reflektiert, was man eigentlich wirklich will.
Ende zwanzig, Anfang dreißig gibt es oftmals die erste Krise, wo sich essenzielle Fragen stellen: Wie will ich überhaupt arbeiten und leben, was will ich überhaupt die nächsten dreißig Jahre machen? Ich habe mich das auch gefragt und dann gemerkt, dass ich immer dann aufgeblüht bin, wenn ich Menschen 1:1 begleitet habe. 

Aus welchen deiner Lebensphasen konntest du am meisten lernen?

Die größten Lehren ziehen wir ja meistens aus Krisen. Gemeinsam mit anderen Menschen wollte ich 2008 ein Startup im Bereich Social Media starten und dann haben aufgrund der Finanzkrise alle Investoren abgesagt. Da musste ich mich umorientieren in einem angespannten Arbeitsmarkt. 

Wie sieht momentan dein Berufsalltag aus?

Meine Woche ist recht klar strukturiert. Ich begleite täglich Menschen in Veränderungsprozessen, deshalb besteht mein Tag aus sehr vielen 1:1 Gesprächen: entweder online, in meinem Beratungsraum oder an der Hochschule. Für die Verwaltung bekomme ich zum Glück nebenbei etwas Unterstützung.

Du coachst Menschen, ihren Berufsweg zu gehen. Wie funktioniert das?

Ich glaube, dass Menschen, die Klarheit darüber erlangen, wer sie sind, einen Schlüssel zu guten beruflichen Entscheidungen bekommen. Durchschnittlich brauchen Menschen bei mir um die sechs Monate, um eine Entscheidung zu treffen. Unsere Umwelt verändert sich stetig, verschiedenste Lebensereignisse bringen unsere Entscheidungsfindung oftmals ins Wanken. Wenn das Äußere also komplex ist, muss ich im Inneren klar sein. Man muss also nicht sofort über irgendwelche beruflichen Ideen sprechen - die ersten Fragen sollten also sein: Wer bin ich überhaupt, was sind meine Werte, was kann ich, was ist meine Persönlichkeit? 

In meinem Coaching habe ich drei Ziele:

  1. Menschen sollen einen Wortschatz, eine innere Klarheit bekommen.

  2. Gemeinsam werden Ideen und Ziele entwickelt.

  3. Menschen werden in der schwierigen Phase der Umsetzung begleitet.

Stichwort Berufswechsel: Woran merke ich, dass mir eine Veränderung gut tun würde? 

Wenn ich nach der beruflichen Honeymoon-Phase auf einmal merke, dass bestimmte Aspekte des Jobs doch stören und meine Arbeitsmotivation sinkt, dann ist es vielleicht Zeit für eine Veränderung. Menschen kommen mit bestimmten Emotionen zu mir: Traurigkeit, Demotivation oder auch einfach ein unbestimmtes Unwohlsein. Oft können die Auslöser anfangs nicht lokalisiert werden. Es gehört zum Prozess dazu, diese Emotionen zu verstehen.

Inwiefern spielt deiner Erfahrung nach Sinn und Nachhaltigkeit eine Rolle bei der Berufs- und Karriereentwicklung?

Der persönliche “Purpose” wird immer wichtiger. Das habe ich in den letzten fünf Jahren sehr stark gemerkt. Früher gab es immer den Traum, ein Café aufzumachen, jetzt liegt der Fokus auf einem nachhaltigen und/oder sinnerfüllenden Job. Das Schöne ist aber, dass der Traum vom Job mit Sinn sehr viel realistischer als der Traum vom Café ist. Unternehmen verändern sich, werden nachhaltiger, und Menschen können auch mit ihren klassischen Ausbildungen diesem Wunsch nachgehen. 

Mit welchen Methoden oder Impulsen kann man dem eigenen Purpose näherkommen?  

Letztendlich spielt die Selbstreflexion die größte Rolle. Jede*r möchte ja im ersten Schritt die Klarheit über die eigenen Stärken und Schwächen erhalten. Als Coach/ Berater schaue ich, mit welchen Methoden ich diese Fragen integrieren kann. Das ist dann ein Methodenmix aus Fragebögen, intuitiven 1:1 Gesprächen, in denen es viel um Emotionen geht, oder ein gemeinsamer Blick in die Kindheit und persönliche Prägungen. Das Besondere ist von den verschiedensten Blickwinkeln auf die eigene Persönlichkeit zu schauen. Dieses Grundmodell hat sich bei mir seit zwölf Jahren bewährt und wird nur immer wieder minimal angepasst.

Sieben konkrete Tipps zur (Selbst-)Reflexion findest du in diesem Artikel von Philipp.

Was sind deine besten Tipps für einen Quereinstieg in einen komplett neuen Job?

  1. Mach einen Praxischeck! Rede mit Menschen, die diesen Job ausüben, hol dir Tipps und knüpfe eventuell relevante Kontakte.

  2. Schau dir deine aktuelle Situation an! Wie passt die Veränderung in meine Lebensbereiche hinein? Muss ich einen Kredit abbezahlen oder mich um Kinder kümmern? 

  3. Zuletzt hinterfrage auch deine Motivation! Warum will ich das überhaupt machen? Lösen sich durch den Wechsel meine Probleme, verwechsle ich vielleicht Hobby bzw. Leidenschaft mit einem konkreten Beruf? Nutze ich überhaupt meine Potenziale?

Hast du dafür ein Beispiel?

Ich hatte einmal einen Kunden, der sich den besagten Traum vom Café erfüllt hat. Er hat sogar eine Förderung bekommen. Dann stand er zum allerersten Mal hinter der Kaffeemaschine und hat festgestellt: “Mist, ich muss ja auch Kaffee kochen, mir macht das ja gar kein Spaß.” Er fand aber die Idee so cool. Der Praxischeck hätte davor schon sehr hilfreich sein können.


Inwiefern hilft deinen Kund*innen dein Coaching? Finden sich alle in ganz neuen Berufen wieder?

Die Lebensläufe meiner Klient*innen sind wahnsinnig bunt. Jede*r kommt mit einem Wunsch der beruflichen Veränderung zu mir und ich erlebe wirklich alles. Es gibt welche, die neu gefundene Perspektiven in den aktuellen Job einbringen können, manche suchen als zweiten Schritt ein Gespräch mit dem*r Chef*in. Wieder andere lernen neue Dinge über sich selbst, merken aber, dass die Veränderung erst an einem späteren Zeitpunkt im Leben dran ist, weil die aktuelle Situation es gerade nicht zulässt. Natürlich gibt es auch die Menschen, die einen komplett neuen Berufsweg einschlagen, diese sind aber vergleichsweise selten. Komplette Neuorientierung bedeutet auch immer Zeit und Geld - vielen reicht auch ein Wechsel innerhalb der eigenen schon erlangten Fähigkeiten.

Danke für das Gespräch Philipp!

 

Philipp Apke ist Berufs- und Karriereberater bei tageinz. . Er ist diplomierter Wirtschaftswissenschaftler und gründete bereits im Studium ein vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördertes Startup. Danach verantwortete er den Karriere-Service an zwei großen Hochschulen und war als Personal Manager in verschiedenen mittelständischen Unternehmen beschäftigt. In seiner letzten Position war er in einer Unternehmensberatung in den Bereichen Führungskräfteentwicklung, Talentmanagement und Personaldiagnostik tätig.

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