Wir haben für sie von Balkonen geklatscht: Pflegeberufe gehören aber nicht erst seit der Corona-Pandemie zu den „systemrelevanten Berufen“. Und obwohl die Arbeit sinnstiftender ist als viele andere, entscheiden sich immer weniger junge Menschen für eine Pflegeausbildung. Der Grund dafür scheint paradox: Die Personen, die anderen im Alter oder bei Krankheit beistehen, haben oft Sorge, dass sie selbst im Alter oder bei Krankheit nicht ausreichend abgesichert sind.

Die Zukunft liegt in der Pflege – oder?

„Ich möchte mit Menschen arbeiten.“ Ein Satz, der oft fällt, wenn man junge Schulabgänger*innen nach ihren Berufswünschen fragt. Für sie liegt in der Hilfe und Unterstützung anderer ein besonderer Sinn und diese Einstellung ist eine wichtige Voraussetzung für die Entscheidung, in einem Pflegeberuf zu arbeiten. Hinter dem Begriff verbergen sich die Berufsbereiche Altenpflege sowie Kranken- und Kinderkrankenpflege und damit äußerst vielfältige Tätigkeitsfelder in unterschiedlichsten Einrichtungen. Berufe, die für die Zukunft unserer Gesellschaft eine besondere Bedeutung spielen, denn sie wird dank medizinischem Fortschritt und einem Rückgang an Geburten zunehmend älter. Wir alle kennen sie, die bildliche Darstellung des demografischen Wandels in Form einer Zwiebel - wenige junge Leute im Vergleich zu den Älteren. Pflegeberufe sind also nicht nur eine echte Zukunftsbranche sondern geeignet für Menschen, die Sinn in ihrer Tätigkeit suchen und Gestaltungswillen besitzen. Das klingt eigentlich fantastisch. 

„Pflege darf nicht krank machen“

Warum boomt der Berufszweig dennoch nicht? Ein Grund scheint naheliegend: Schichtdienst und hoher Zeitdruck, mitunter schwere körperliche Arbeit und mentale Herausforderungen bei der Betreuung hilfebedürftiger Menschen bedeuten eine hohe Arbeitsbelastung. Dem gegenüber stand bislang eine vergleichsweise schlechte soziale Absicherung, vor allem im Alter. Dabei schaffen es bis zu 40% der Beschäftigten nicht einmal bis zur Rente, werden nicht selten berufsunfähig aufgrund von Burn-Out oder Erkrankungen des Bewegungsapparats. Für junge Menschen, die sich eigentlich eine Karriere in einem spannenden Pflegeberuf vorstellen können, sind das wenig attraktive Aussichten. Lange Zeit wurden die Pflegeberufe nicht ausreichend wertgeschätzt, was sich in einem deutlichen Personalmangel zeigt. Laut Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse waren 2019 fast 40.000 Stellen in der Alten- und Krankenpflege nicht besetzt. Darin heißt es auch: „Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, diese Berufe wieder attraktiver zu machen. Grundvoraussetzung dafür ist die Gesundheit der Beschäftigten. Pflege darf nicht krank machen.“ 

Und was macht die Politik?

Die Politik hat den Handlungsbedarf bereits erkannt und einige dringende Änderungen auf den Weg gebracht. Im Jahr 2020 wurde das Pflegeberufegesetz reformiert und damit flexibler gestaltet. Das Ziel: Mehr junge Menschen für Pflegeberufe zu begeistern, indem die Ausbildung moderner und attraktiver wird. Auszubildende müssen sich nun nicht mehr gleich zu Beginn entscheiden, ob sie in die Alten- oder Krankenpflege wollen. Das erste Ausbildungsjahr umfasst eine generalistische Pflegeausbildung, die alle Bereiche beinhaltet. Erst später kann man sich für eine Spezialisierung entscheiden, man muss aber nicht. Der Berufsabschluss wird EU-weit anerkannt, das Schulgeld wurde abgeschafft und eine angemessene Ausbildungsvergütung festgelegt. Außerdem gibt es nun auch die Möglichkeit eines Pflegestudiums und eine Vielzahl neuer Angebote in diesem Bereich: Palliativpflege, Gesundheitswissenschaft oder Pflegemanagement sind nur ein paar Beispiele möglicher Studiengänge für Leute, die Führungsaufgaben und Leitungspositionen übernehmen wollen. 

…endlich MEHR für Pflegekräfte

Aber die Ausbildung allein reicht noch nicht für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Die Bundesregierung hat daher mit der sogenannten „Konzertierten Aktion Pflege“ auch an anderen entscheidenden Stellen weiter nachgebessert. Die Devise lautet: Mehr. Mehr Personal, mehr Geld, mehr Verantwortung, mehr Ausbildung, mehr Digitales. Darauf werfen wir einen genaueren Blick:

Mehr Geld heißt, dass die Entlohnungsbedingungen in der Altenpflege verbessert, Mindestlöhne entwickelt und die Ost-West-Differenzierung beim Pflegemindestlohn aufgegeben werden muss.

Mehr Personal soll durch eine allgemeine Verbesserung der Arbeitsbedingungen gewonnen werden sowie der erleichterten Gewinnung von Arbeitskräften aus dem Ausland und verbindlichen Regeln für die Besetzung von Pflegeheimen und Krankenhäusern mit Pflegekräften.

Mehr Verantwortung heißt im Klartext, dass Pflegefachkräfte mehr Entscheidungsbefugnisse bekommen sollen. 

Mehr Ausbildung bedeutet vor allem, mindestens 5.000 Weiterbildungsplätze zur Nachqualifizierung von Pflegehelfer*innen einzurichten.

Mehr Digitales zielt darauf ab, die tägliche Arbeit im Pflegeberuf durch Digitalisierung und elektronische Datenverarbeitung zu erleichtern und den Arbeitsalltag zu entlasten.

Doch genügt das?

Das wollen wir von GoodJobs gemeinsam mit dem VRK herausfinden. VRK steht für „Versicherer im Raum der Kirchen“ und ist Spezialversicherer für alle im Raum der Kirchen, Diakonie, Caritas und Freien Wohlfahrtspflege tätigen Personen und Einrichtungen. Zusammen haben wir eine Umfrage entwickelt mit der wir verstehen wollen was Menschen wichtig ist, die sich für die Arbeit in einem Pflegeberuf interessieren, bereits hier arbeiten oder einmal in dieser Branche tätig waren.

Was sind Wünsche und Sorgen und was muss unsere Gesellschaft noch erreichen? Diese und weitere Fragen möchten wir von euch beantwortet haben. Als Dankeschön verlosen wir unter allen Teilnehmenden 3 x 1 Gutschein in Höhe von 30 € für GoodBuy, dem Shop, in dem jeder Einkauf die Welt besser macht. Wir freuen uns auf eure Meinung!

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