Unser Wochenende ist nur zwei Tage lang. Ehrlich gesagt ist es gerade einmal etwas mehr als einer – und der Feierabend am Freitag ist schon mit dabei! Freizeitbeschäftigungen, ein paar Stunden Erholungsschlaf mehr oder weniger und sonntags rechtzeitig Richtung Nimmerland schlummern; schon ist es wieder Montag Morgen. Das vergangene Wochenende erscheint im Rückblick wie im Zeitraffer. Doch warum ist das eigentlich so und muss es überhaupt so bleiben?

Vor 60 Jahren betrug die durchschnittliche Wochenarbeitszeit fast 48 Stunden. Das „Wochenende“ bestand aus genau einem freien Tag, dem heiligen Sonntag. Erst 1960 konnte die IG Metall die 40-Stunden-Woche durchsetzen, sodass sich das Wochenende glatt verdoppelte – auf zwei Tage. Aber sind wir einmal ehrlich, den meisten reicht das doch auch nicht aus. Heute träumen viele Arbeitnehmer von einem dreitägigen Wochenende: Öfter spontane Kurzreisen machen, Zeit für sich selbst, Freunde und Familie nehmen, oder einfach all die Dinge tun, für die man ansonsten keine Zeit und Energie findet. Doch wie weit sind wir von einer erneuten Veränderung entfernt? Ist es nicht langsam Zeit?

3 Tage Wochenende – Wie kann man das realisieren?

Tatsächlich gibt es schon einige Unternehmen, die ihren Mitarbeiter*innen die Freiheit lassen, nur vier Tage in der Woche zu arbeiten. Dabei gibt es die unterschiedlichsten Herangehensweisen – und nicht immer scheinen diese wirklich zu mehr Erholung zu führen.

Aus einem Artikel der Zeit geht hervor, dass es hauptsächlich zwei Möglichkeiten gibt eine Viertagewoche zu realisieren: Entweder wird in vier Tagen bis zu zehn Stunden gearbeitet, um das Arbeitspensum und die Gehaltseinbußen auszugleichen, oder man muss auf einen Teil seines Gehaltes verzichten – was nicht jede*r möchte, geschweige denn sich leisten kann.

4 Tage à 10 Stunden

Die Kommunikationsagentur Frische Fische macht es wiederum anders: Hier arbeiten die Mitarbeiter*innen vier Tage à zehn Stunden und bekommen dafür auch ihren vollen Lohn ausgezahlt. Die Frage ist, ob der gewonnene freie Tag genug Erholung bietet um dieser komprimierten Arbeitsmenge entgegenzuwirken. Es wäre womöglich eine Verschwendung, wenn der neue freie Tag nicht richtig ausgenutzt werden kann, da er schon benötigt wird, um sich von einer verkürzten, aber ebenso stressigen Arbeitswoche zu erholen.

Weniger Gehalt

Eine andere Variante stellt das Unternehmen MediaEvent Services vor. Bereits vor fünf Jahren haben sie die verkürzte Arbeitswoche eingeführt, bei einem Achtstundentag und ⅕ weniger Gehalt. Vorteile für das kleine Unternehmen sind geringere Kosten – und die Option, einige Mitarbeiter*innen bei hoher Auftragsauslastung kurzfristig in Vollzeit arbeiten zu lassen.

Erholte Mitarbeiter*innen

Bei all den Gedanken zu Arbeitszeit und Gehalt sollte man natürlich auch nicht die Gesundheit aus dem Blick verlieren. Ja, ein ausgeruhter Mensch ist vielleicht ein*e produktive*r Arbeitnehmer*in, aber ein ausgeruhter Mensch ist auch ein glücklicherer Mensch, Freund*in, Partner*in, Mitarbeiter*in oder Chef*in. Natürlich muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er oder sie auf sein volles Gehalt verzichten kann und möchte.

Doch allein Luxus durch mehr Zeit ist ein Gedanke, mit dem sich viele erst einmal anfreunden müssen – so ungewohnt mag er erscheinen. Also muss man sich überlegen, was man mit der neu gewonnenen Zeit anfängt – nicht, dass man vor lauter Zeit gar nicht weiß, wohin damit. Endlich hat man die Möglichkeit, das Phänomen Fomo (fear of missing out; die Angst, etwas zu verpassen) abzulegen und nicht mehr von einer Veranstaltung zur anderen zu hetzen.

Schon damals singt Heinz Erhardt im Film Der letzte Fußgänger über die Hast und Hektik der Menschen: „Nicht so eilig, nur nicht so eilig, wenn du dir Zeit lässt, hast du vom Leben mehr. Langsam, langsam, nur immer schön langsam. Bei zu viel Vollgas, da ist der Tank bald leer. Nicht so hastig – nein –, nur nicht so hastig. Denn dass man Zeit spart ist ein Selbstbetrug. Sachte, sachte, nur immer schön sachte – das bisschen Leben vergeht schon schnell genug …“