Simon ist seit 2017 Teil der GoodJobs Familie. Heute, knapp zwei Jahre später, steht der einstige Praktikant vor der Gründung eines neuen Unternehmens – als Intrapreneur für ein neues Wirkungsfeld unseres Netzwerks. Im Interview hat er uns verraten, wie er das geschafft hat und was hinter GoodBuy steckt. 

Ein Intrapreneur ist ein*e Mitarbeiter*in, der oder die seine/ihre Aufgaben innerhalb einer Firma wie ein*e Unternehmer*in löst. So kommt es, dass so manche*r Praktikant*in schnell selbst zum Gründer wird. Genau das ist unserem ehemaligen Praktikanten Simon passiert. Der studierte Geograph hat sich nicht nur in ein völlig neues Arbeitsfeld eingearbeitet, als Business Developer hat er daran mitgearbeitet, das kleine Start-up GoodJobs auf die dreifache Mitarbeiterzahl zu vergrößern. Nach nur knapp zwei Jahren steht der einstige Praktikant nun vor der Neugründung eines Unternehmens. 

Simon, du bist jetzt ein Intrapreneur. Was bedeutet das genau? 

Intrapreneurship bedeutet, dass ich Unternehmer in einem Unternehmen bin. Ich bin zwar bei GoodJobs angestellt, arbeite aber komplett eigenverantwortlich und unternehmerisch an meinem eigenen Herzensprojekt. Im Gegensatz zu einem klassischen Angestellten, wie man ihn noch aus konservativeren Firmen kennt, übernehme ich auch die unternehmerische Verantwortung für mein Handeln. Die gesamte Good Impact Family steht mir dabei mit Rat und Tat zur Seite. Wir arbeiten hier mit sehr flachen Hierarchien, sodass mir niemand vorschreibt, wie ich mein Projekt umzusetzen habe. Stattdessen werden Entscheidungen im Konsens getroffen. Das ist eine Win-Win-Situation für alle. Daher versuchen wir, dieses Konzept auch in unserer Unternehmenskultur zu verankern. 

Du bist quasi selbst noch Berufseinsteiger. Woher weißt du, was du für  die Gründung von “GoodBuy” zu tun hast?

Unsere gesamte Good Impact Family besteht ja schon aus mehreren Unternehmen, die erst gegründet werden mussten – von Good News und Good Events über Good Travel, dem enorm Magazin bis hin zu GoodJobs selbst. Das ist natürlich eine gute Grundlage um zu sagen: “Hey! Wir machen jetzt auch noch GoodBuy”! Ich musste aber auf jeden Fall eine steile Lernkurve hinlegen und lerne auch jetzt noch jeden Monat sehr viel Neues. Da ist noch lange kein Ende in Sicht. Ist ja auch klar, nach erst zwei Jahren Berufserfahrung. Aber ich habe zum Glück kompetente und tatkräftige Unterstützung. Paul Berg, Gründer von GoodJobs, ist nicht nur technisch gesehen mein Arbeitgeber, er ist auch mein Co-Geschäftsführer bei GoodBuy. Er hat das ganze Gründen schon einmal durchgeführt und ist so etwas wie ein Mentor für mich. Wir machen das Shop-Projekt jetzt als gemeinsame Sparringspartner und können beide viel voneinander lernen. Und wir haben in unserem Netzwerk die sehr erfahrenen Unternehmer David Diallo und Peter M. Endres an unserer Seite. Alleine im GoodJobs Team sitzen so viele Talente mit Wissen aus den unterschiedlichsten Bereichen  – vom IT-Experten über Controller bis hin zum Marketing-Profi. Nachdem Peter und ich die Idee für GoodBuy hatten, haben wir gemeinsam den Businessplan erarbeitet. Jeder Gründer stand irgendwann mal vor der Challenge, das zum ersten Mal zu machen. Essentiell ist, warum man überhaupt gründet. Für mich ist das Projekt eine Herzensangelegenheit. Ich brenne für die neue Herausforderung! Das ist vermutlich die wichtigste Voraussetzung für jede Gründung.

Teamfoto GoodBuy
Das GoodBuy Team
© GoodBuy

Was steckt hinter der Idee „GoodBuy“?

Unsere Good Family ist schon in vielen Bereichen zum Thema Nachhaltigkeit aktiv: Nachrichten, Hintergrundinformationen, Arbeiten, Events, Reisen. Ein Thema, das aus unserer Sicht aber noch fehlte, ist “Konsum”. Mit den Folgen unseres Konsums haben wir uns schon sehr lange kritisch auseinandergesetzt. Ich hätte nie einen Shop eröffnet, wenn ich das Gefühl gehabt hätte, dass damit wieder neue Probleme für unsere Welt verursacht werden. Gemeinsam mit unserem Business Angel Peter haben wir dann das Konzept entworfen, wie wir Konsum so gestalten können, dass er der Welt mehr zurückgibt als er ihr nimmt. 

Die erste Idee war dann ein klassischer Online Shop. Davon war ich nie großer Fan. Denn  ich bin überzeugt, dass Konsum - auch wenn er den Deckmantel von grünem Konsum trägt - meist mehr Probleme erzeugt, als er lösen kann. Nachhaltiger Konsum bedeutet ja im Grunde nur, dass mein Konsum der Welt nicht schadet. Dass die Rohstoffe, die ich verwende, wieder nachwachsen oder dass Produzenten nicht ausgebeutet werden. Das reicht uns aber nicht! Wir wollen einen Schritt weiter gehen und zeigen, dass es auch anders geht. Mit den Produkten von GoodBuy soll die Welt nicht nur “nicht geschädigt” werden, sondern wir wollen der Welt mit dem Kauf von Produkten etwas zurückgeben. Die Produkte unserer Partner müssen das Ziel haben, die Welt aktiv besser zu machen. Zum Beispiel hat unsere Schokolade von Original Beans nicht nur ein sehr wirksames Fair Trade Modell, es wird für jede Tafel ein Kakaobaum gepflanzt und ein Naturschutzprojekt gefördert. 

Die Idee, solchen Produkten eine Plattform zu bieten, haben wir jetzt schon ein Jahr lang erfolgreich als Prototyp im enorm Shop getestet. Und im Oktober ist es soweit: Neben einem GoodBuy Online Shop, eröffnen wir unseren ersten sozialen Flagship Store in Berlin Friedrichshain!

Simon Böhnlein und Paul Berg
Simon Böhnlein und Paul Berg wollen mit GoodBuy die Konsumwelt nachhaltig verändern.
© GoodBuy

Braucht Berlin-Friedrichshain denn noch einen Bio- oder Fairtrade-Laden?

Fairtrade bedeutet erst einmal, dass Produzenten, also zum Beispiel ein Kaffeebauer, einen höheren Prozentsatz von den Verkaufseinnahmen eines Produkts bekommt. Das ist eine gute Sache, stellt aber noch lange nicht sicher, dass der Bauer davon auch tatsächlich seine Familie ernähren kann. Nur Fairtrade oder Bio reichen bei uns daher als Zertifizierung nicht aus. Bei unseren Produkten achten wir auf die Mission dahinter. Wir stellen sicher, dass sie wirklich einen positiven Mehrwert haben und nicht nur das Beste aus einem schlechten Konsumkonzept herausholen. Das ist uns auch beim Versand wichtig. Wenn jemand im Online Shop bestellt, verschicken wir die Ware nicht mehr nur klimaneutral, sondern klimapositiv. Wir investieren bei jeder Bestellung in Wiederaufforstungsprojekte wodurch jeder, der bei uns kauft, auf ewig ein vielfaches mehr an CO2 speichert als wir durch den Versand eines Pakets verursachen. Die Aufforstungsprojekte realisieren wir mit unserer Partnerorganisation Generation Forest und können so sicherstellen, dass die Flächen wirklich Wälder bleiben. Ein fester Teil des Erlöses aus dem physischen Store in Berlin-Friedrichshain fließt außerdem über die Organisation Quartiermeister in soziale Projekte für den Kiez.

Hast du Angst damit zu scheitern?

Klar, die Angst ist immer da. Aber gar nicht so sehr auf persönlicher Ebene, sondern eher weil ich komplett hinter der Idee stehe. Ich bin überzeugt, dass wir mit dem Shop einen Beitrag dazu leisten können, Konsum noch einmal neu zu definieren. Das ist ein wichtiger Schritt, um mit Konsum einen Impact zu erreichen und daher wünsche ich mir natürlich sehr, dass es funktioniert. Gleichzeitig muss man als Gründer auch realistisch bleiben. Bei GoodJobs hat am Anfang auch nicht alles funktioniert. Aber dadurch, dass ich jetzt zwei Jahre live dabei war GoodJobs als Unternehmen auf das nächste Level zu bringen, weiß ich auch, wie man aus schwierigen Phasen wieder herauskommt. 

Welche Voraussetzungen braucht es aus deiner Sicht in einem Unternehmen, damit so ein beruflicher Werdegang vom Prakti zum Gründer möglich ist? 

Der wichtigste Faktor ist für mich, dass ich in meiner Arbeit bei GoodJobs immer einen Sinn gesehen habe. Denn ich bin davon überzeugt, dass man nur so die Motivation hat, viel positive Energie in seine Arbeit zu stecken. Und auch die Ergebnisse der eigenen Arbeit sind viel besser. Eine andere wichtige Voraussetzung sind die Entwicklungsmöglichkeiten, die ein*e Arbeitgeber*in bietet. Meine Kolleg*innen waren immer darauf bedacht mich zu fördern und zu fordern. Dadurch haben sie mich in meinem beruflichen Selbstbewusstsein bestärkt und mir bewusst gemacht, dass ich Fähigkeiten besitze, die für ein Social Business wichtig sind. Schon wenige Wochen nach Praktikumsstart hat Peter mir die Weiterentwicklung des Shop-Projekts in die Hände gelegt. Solch einen Vertrauensvorschuss möchte man als Einsteiger natürlich nicht verspielen. Zusätzlich braucht man ein Arbeitsumfeld mit Hierarchie auf Augenhöhe. Bei uns wird jede*r mit gleich viel Respekt behandelt und jede*r lernt jeden Tag Neues. So gesehen sind bei uns alle lebenslang Praktikant*in und ich aktuell geschäftsführender Praktikant.

Welche Ziele setzt du dir nun für deine Zukunft als Unternehmer?

Mein Ziel ist es, eine Plattform für alle Produkte aufzubauen, die der Welt mehr zurückgeben als sie ihr nehmen. Dabei ist uns wichtig, dass wir nicht nur Produkte verkaufen, sondern eine größere Aufmerksamkeit für das Thema Konsum mit Sinn schaffen. Wir wollen Menschen mit guten Ideen dazu inspirieren, ihre Produkte ebenfalls mit einem positiven Mehrwert für Mensch oder Umwelt zu gestalten. Außerdem hoffen wir, dass der Shop auch als Ort genutzt wird, um sich auszutauschen oder zu vernetzen. Gleichzeitig wollen wir unsere Partner durch eine starke Medienplattform bestmöglich unterstützen. Sie werden bei uns in regelmäßigen Abständen die Möglichkeit bekommen aus eigener Hand zu erzählen, was sie eigentlich machen. Nehmen wir zum Beispiel Lemonaid, ein Unternehmen, mit dem wir bereits lange bei GoodJobs zusammenarbeiten. Die Getränke sind zwar deutschlandweit schon gut vertreten und viele Menschen trinken die Limos gerne, aber was genau hinter der Marke steckt, wissen viele nicht. Und diese Nische wollen wir nutzen: Bei uns kauft man nicht nur ein Produkt, das angeblich irgendwie nachhaltig ist. Man erfährt auch genau, welchen tatsächlichen Mehrwert der eigene Kauf hat.

Seit dem 14.10.2019 kann jeder bei goodbuy.eu Produkte mit Sinn kaufen. Anfang November eröffnet der Flagship Store in Berlin Friedrichshain, Gärtnerstr.3.