Als Weltverbesserer hat man auf den ersten Blick nicht viel Auswahl beim künftigen Arbeitgeber, da gibt es nur schwarz und weiß. Auf der einen Seite Social Entrepreneurship Jobs, Initiativen, Vereine oder Jobs bei NGOs, die aus dem System heraus Innovationen anstoßen und die großen und kleinen Probleme des Planeten lösen wollen.

Auf der anderen Seite stehen scheinbar übermächtige  Konzerne, wie Nestlé oder Monsanto. Diese Unternehmen sind – so die verbreitete Ansicht – von Grund auf schlecht, ihre Vorstöße in Richtung Nachhaltigkeit oder Soziales per se Greenwashing.

Soziale Innovationen aus dem Unternehmen heraus

Was viele nicht einsehen möchten: Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Das zeigt sich wohl am besten am Beispiel des „Social Intrapreneurship“. Dabei geht es – kurz gesagt – darum, innerhalb eines Unternehmens für soziale Innovationen zu sorgen und Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen zu finden.

Das kann zum einen bedeuten, dass sich Mitarbeiter völlig frei um eigene Projekte und sogar Tochterfirmen kümmern. Social Intrapreneurship kann sich aber auch stärker an den im Unternehmen existierenden Strukturen orientieren. Dann sucht der Intrapreneur beispielsweise nach Wegen, die bestehenden Geschäftsfelder stärker an sozialen und nachhaltigen Maßgaben zu orientieren.

Das soll sich natürlich in erster Linie für die Unternehmen lohnen. Über Social Intrapreneurship lassen sich Initiativen im Sinne einer echten Corporate Social Responsibility (CSR) glaubhafter aufstellen – oder überhaupt erst initiieren. Denn das firmeneigene Sozialunternehmertum geht zum Beispiel weit über Sponsoring oder Spenden hinaus. Die Gefahr von Greenwashing ist somit deutlich geringer.

So profitieren Unternehmen von Social Intrapreneurship

Die Mitarbeiter lernen aber auch Kompetenzen, die über ihre Rolle als sozialer Innovationstreiber hinausgehen. Für Andreas Schröer zeigt sich das vor allem in den „Start-up-Techniken“, die beim Social Intrapreneurship zum Einsatz kommen.

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Schröer beschäftigt sich schon seit Jahren mit dem Thema und meint im Interview: „Sie entwickeln kreative Ideen und versuchen, ihre Sachen selbst durch- und umzusetzen. Diese Start-up-Praktiken und das innovationsorientierte, gründerische Handeln der Mitarbeitenden sind positive Effekte“, die sich gerade die Sozialwirtschaft wünscht. Zudem würden die Mitarbeiter lernen, mehr kalkulierte Risiken einzugehen und Neues auszuprobieren.

Allerdings, so Schröer, könne genau das auch für Reibungen sorgen. Insbesondere große Konzerne zeichnen sich durch starre Strukturen und klare Verhaltensregeln aus. Social Intrapreneure wirbeln mit ihren Ideen schnell seit Jahrzehnten etablierte Routinen durcheinander – das kommt natürlich nicht bei jedem gut an.

Social Intrapreneure als wertvoll(st)e Mitarbeiter

Aber nicht umsonst hat das US-Wirtschaftsmagazin Forbes den Social Intrapreneur schon 2014 zum „Most Valuable Employee“ gekürt. Denn wenn sich das Unternehmen auf das Konzept einlässt, profitieren alle Seiten: die Gesellschaft, wenn ernsthafte Vorstöße umgesetzt werden, das Unternehmen von einer gehaltvollen CSR und schließlich auch die Arbeitnehmer selbst.

Denn wenn es beim Thema „Job mit Sinn“ oft hauptsächlich um die Arbeit bei NGOs oder Jobs bei Social Startups geht, lohnt es sich trotzdem, zweimal über eine Anstellung als Social Intrapreneur nachzudenken –auch in einem großen, vermeintlich „bösen“ Konzern.

Zum einen haben diese Firmen ganz andere Ressourcen, die man dann nutzen kann, um etwas Gutes zu machen. Außerdem lassen sich in großen Unternehmen ganz andere wichtige Erfahrungen sammeln, die einem dann später auch bei einer NGO zugute kommen können.

Braucht es die großen Unternehmen?

Für Heiko Spitzeck, früher Direktor der Studenten-NGO Oikos und Ausbilder in den Bereichen Corporate Responsibility und Sustainability, spielt noch ein anderer Aspekt eine Rolle: „Kritik von außen, zum Beispiel von NGOs, kommt in Unternehmen nicht an“, sagt er gegenüber dem enorm Magazin. „Außer, ein Interner versteht sie und übersetzt sie in Businesssprache.“

Natürlich ersetzt Social Intrapreneurship nicht das, was dezidierte Sozialunternehmen leisten. Während das eine nur Teil einer Firma ist, richten die anderen ihre gesamte Arbeit und Wertschöpfung auf eine nachhaltige Zukunft für die Gesellschaft aus. Aber, auch das gibt Spitzeck zu bedenken: „Ich glaube nicht an einzelne Sozialunternehmer, die die Welt retten. Wir brauchen die großen Unternehmen.“