Der Schritt in einen neuen Job aus der Arbeitslosigkeit heraus kann steinig sein. Es ist ein komplexer Prozess, der den ganzen Menschen fordert, denn unser Beruf ist Teil unserer Identität. Wir gewinnen daraus mehr als Einkommen – nämlich Sinn, Bestätigung, Status bis hin zu Freundschaften. Bereits ein einfacher Arbeitgeberwechsel kann ein solches Gleichgewicht verändern. So gesehen ist eine berufliche Neu- bzw. Umorientierung aus der Arbeitslosigkeit heraus ein kritisches Lebensereignis – in der Dimension ähnlich wie Heirat, Schwangerschaft, Pensionierung oder der Umzug in eine fremde Stadt. 

Hinzu kommt: die Digitalisierung verändert die Berufswelt aktuell sehr stark. Oft ist eine Kompetenzerweiterung notwendig, manchmal ist eine radikale Umorientierung verbunden mit einer Umschulung das Gebot der Stunde. Auch der Schritt in die Selbständigkeit kann sich als tragfähige Alternative herausstellen. 

Mit Coaching raus aus der Arbeitslosigkeit

Die gute Nachricht ist: es gibt zahlreiche Hilfsangebote, die über nützliche Hinweise im Netz hinausgehen – etwa ein professionelles Job-Coaching. Was sich im ersten Augenblick wie eine Einzel-Outplacement Maßnahme für Top-Manager*innen anhört ist in Wirklichkeit ein wichtiger arbeitsmarktpolitischer Eckpfeiler. Konkret haben die Bezieher*innen von SGB I./II. und Personen, die von Kurzarbeit betroffen oder von der Arbeitslosigkeit bedroht sind, einen Anspruch auf Förderung durch die den Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS). In diesen Fällen entstehen für Arbeitssuchende keine Kosten für das Coaching – vorausgesetzt das Coachingunternehmen ist von der Arbeitsagentur dafür zertifiziert. Neben vielen praktischen Tipps ist insbesondere der emotionale Halt und das Ausschöpfen aller (zum Teil verborgenen) Potenziale eine wichtige Unterstützung für den*die Arbeitssuchende*n.  

Phasenmodell – Neues entdecken, neu überprüfen, neu auswählen

So unterschiedlich einzelne Wege sind, so unterliegen Veränderungsprozesse insgesamt Gesetzmäßigkeiten und lassen Regeln erkennen. Deshalb arbeitet ein*e Coach*in mit einem fünfstufigen Phasenmodell. Das Modell ermöglicht eine Einordnung und gibt Sicherheit bei all der Unsicherheit, die ein solcher Prozess mit sich bringt. Zudem sind in jeder Phase bestimmte Aufgaben zu leisten – sowohl auf der ganz praktischen Ebene „Was ist jetzt zu tun?“ als auch auf der inneren Ebene „Was ist bei mir jetzt dran, mit welchem Thema sollte ich mich jetzt auseinandersetzen?“. 

Berufliche Neuorientierung ist ein komplexer Prozess – Modelle und Unterstützungssysteme wie Coaching helfen dabei, sich auf den Weg zu machen und am Ziel anzukommen 
Berufliche Neuorientierung ist ein komplexer Prozess – Modelle und Unterstützungssysteme wie Coaching helfen dabei, sich auf den Weg zu machen und am Ziel anzukommen 
© Lena-Rosalie Kern

Aus der Beratungspraxis 

Am Anfang eines Coachings steht oft die so genannte Ideenbox, um herauszufinden was den*die Jobsuchende*n wirklich interessiert. Dazu kommt die Arbeit mit Kompetenzen und Werten. Oft hat man viel mehr Talente und Kompetenzen als auf den ersten Blick ersichtlich ist. Diese fallen einem selbst nicht auf – gerade weil bestimmte Tätigkeiten so leicht fallen. Diese Grundlagenarbeit bildet das Fundament, um realistische Optionen zu entwickeln. Natürlich geht auch darum, mit Hilfe von Biografiearbeit aus der Vergangenheit zu lernen und Umfeld-Faktoren zu identifizieren wie etwa passende Unternehmenskultur, Rolle oder Arbeitsbedingungen. 

Qualifizierung sowie deren Kosten ist ein wichtiges Thema

Mit Blick auf die sich rasant verändernde Arbeitswelt ist Kompetenzerweiterung ein zentrales Thema. Über 60 % der Klient*innen haben im Prozess der beruflichen Orientierung an Weiterbildungen teilgenommen. Beispiele reichen von Projektmanagement, Scrum-Master, Social-Media- und Fördermittelmanagement, IT Skills bis hin zu Ausbildungen als Erzieher*innen oder ein Fernstudium. Aufgrund der engen Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit sind Coaches auch versierte Ratgeber*innen, unter welchen Bedingungen Aus- und Weiterbildungen finanziert werden. 

 

Heike Sohna ist Gründerin und Geschäftsführerin von Sequoya – Karriereberatung und Organisationsentwicklung in Berlin. „Es einfach tun ist tatsächlich einfach – aber meist erst in der Rückschau! Während der Veränderungsprozess läuft, ist es dagegen öfter turbulent. Deshalb stehe ich euch mit meinem gesammelten Wissen, meiner Professionalität und einer umfangreichen Portion Humor zur Seite!“