Österreich fällt in letzter Zeit eher durch Negativschlagzeilen von Oligarchentöchtern, Misstrauensvotum und rechten Mehrheiten auf. Dabei hat das Land in Sachen Nachhaltigkeit einiges auf dem Kasten! Am 12. Juni prämieren Expert*innen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zum 16. Mal Firmen mit dem Nachhaltigkeitspreis Trigos, Österreichs renommierteste Auszeichnung für nachhaltiges Wirtschaften. Eine gute Gelegenheit, um einen Blick auf Österreichs nachhaltige Arbeitswelt zu werfen:

Klimafreundlich fortbewegen

Österreich legt viel Wert darauf, Mobilität nachhaltig zu gestalten. Vor allem beim Radverkehr legt sich der deutsche Nachbar so richtig ins Zeug: Erklärtes Ziel von Österreichs Klimastrategie ist es, den Radverkehr bis 2025 zu verdoppeln. Das ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch für die Wirtschaft. Denn Investitionen in die Fahrradbranche und eine fahrradfreundliche Infrastruktur schaffen mehr Jobs als in der Autobranche. Diese wird währenddessen immer klimafreundlicher: Mit 450 Ladestationen, ist Elektromobilität in Österreich bereits auf dem Vormarsch. Die Produkte und Services von has·to·be helfen dabei. Seit ihrer Gründung im Jahr 2013 übernimmt die unabhängige Firma mit ihrer Software be.ENERGISED so gut wie alle Verwaltungsaufgaben von Ladestationen und bietet mit einem umfassenden E-Mobilitätsservice für den laufenden Betrieb eine Komplettlösung für alle, die in die Elektromobilität einsteigen wollen. Wer trotzdem noch ab und an das Flugzeug nehmen muss, für den bietet die österreichische Plattform climateaustria.at die Möglichkeit, den eigenen ökologischen Fußabdruck mit einer Geldspende zu kompensieren. Der gezahlte Betrag fließt wiederum in Klimaschutzprojekte.

Bewusst genießen

Kaiserschmarrn und Grießnockerl sind nicht nur lecker, die österreichische Gastronomie achtet auch zunehmend darauf, dass nur saisonale und regionale Speisen auf dem Teller landen. Frisch auf dem Tisch geht aber nicht nur im Restaurant: Das österreichische Portal nahgenuss bringt Landwirt und Konsument zusammen,fördert damit die regionale Wirtschaft und den bewussten Genuss. Das ermöglicht den Bauern eine ökologisch nachhaltige Produktion zu fairen Preisen. Auch die Wiener Schnecken Manufaktur Gugumuck schwört auf Kreislaufwirtschaft undwill das traditionelle Wiener Gericht „Weinbergschnecken“ als Future Food etablieren. Auf einem eigenen Hof mit Schaugarten können Schulgruppen und Interessierte bekannte wie ungewöhnliche Gemüsearten bestaunen und sich über das nachhaltige Permakulturkonzept informieren. Die Schnecken selbst werden direkt auf dem Hof verarbeitet und vertrieben, das Futter stammt ausschließlich von lokalen Produzenten. Auch der ADAMAH BioHof im Marchfeld lebt Nachhaltigkeit. Seit über 20 Jahren vertreibt er BioKistl mit Biogemüse und BioOobst von den eigenen Feldern sowie von Partnern aus der Region und aller Welt. Beide Höfe wurden 2019 auf dem jährlich stattfindendem Genuss-Festival des Kuratoriums "Kulinarisches Erbe Österreich" für ihre nachhaltige Produktion ausgezeichnet.

Stoffbeutel statt Plastiksackerl

Nachhaltigkeit steht bei den Österreicher*innen zunehmend hoch im Kurs. Beim Umweltschutz sehen viele Plastik als Hauptproblem. Die Regierung in Österreich hat darauf reagiert: ab 2020 werden Plastiktüten im Einzelhandel vollständig verboten, es sei denn, sie sind biologisch vollständig abbaubar. Damit sollen jährlich rund 7.000 Tonnen Plastikmüll vermieden werden. Gleiches gilt für Kosmetik- und Reinigungsprodukte. Sie sollen künftig ohne Mikroplastikpartikel auskommen. Doch diese Regulierung ist nur der Anfang. Das Land plant eine Reduzierung des gesamten Verpackungsmülls um 20 bis 25 Prozent. Eine große Herausforderung, vor allem wenn man bedenkt, dass der Verbrauch von Verpackungsmüll in Deutschland in den letzten Jahren sogar gestiegen ist.
Eine Studie der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt und der Initiative "Mutter Erde" zeigt, dass Konsument*innen Gebrauchsgegenstände wie Handys und Autos heute schon wesentlich länger und bewusster nutzen, als sie es bei einer vergleichbaren Studie vor vier Jahren getan haben. Aber auch gebrauchte Waren sind im Kommen: Der österreichische Online-Marktplatz refurbed erfreut sich an wachsenden Käuferzahlen für seine generalüberholten Produkte. Diese sind nicht nur wie neu, sondern gleichzeitig bis zu 40% günstiger – ein echter Gewinn für Umwelt und Portemonnaie also. Der Trend zu ressourcenschonendem Konsumverhalten wird besonders deutlich, wenn man sich die Entwicklung von Upcycling-Läden und Reparatur-Cafés ansieht. Im Reparaturnetzwerk, dem Repaircafe oder der Vollpension finden Hobbybastler*innen und solche, die es werden wollen, nicht nur nützliche DIY Tipps sondern sie können sich auch in Reparaturwerkstätten vor Ort in Wien von Profis die nötigen Handgriffe zeigen lassen. Auch nachhaltige Mode-Fans kommen in Wien auf ihre Kosten: in den Pop-Up Stores von „Endlos Fesch“ können sich Fashionistas für 25 EUR pro Monat ein exklusives Designerstück leihen – ur-leiwand! Ökologische, nachhaltige und faire Produkte gibt es aber nicht nur für Hauptstädter*innen. Die Grüne Erde GmbH stellt Mode, aber auch Möbel, Matratzen, Schlaf- und Heimtextilien sowie Naturkosmetik aus ausschließlich natürlichen, nachwachsenden Rohstoffen her. Dabei verzichtet das Unternehmen konsequent auf petrochemische Kunststoffe und genmanipulierte Substanzen. Das ganze Sortiment bekommt man im Online Shop sowie in 14 Stores in Österreich und Deutschland.

Sozial engagieren

In keinem anderen EU-Land hängt der Bildungserfolg so stark vom Bildungsniveau und sozioökonomischen Status der Eltern ab wie in Österreich. Das hat eine Untersuchung der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2017 ergeben. Teach For Austria will das ändern. Mit motivierten Pädagog*innen schafft die gemeinnützige Organisation gerechtere Bildungschancen für Kinder, die von zu Hause weniger Unterstützung bekommen. Herzstück der Initiative ist das zweijährige Fellowprogramm. Mit ihm bringt Teach For Austria besonders engagierte Hochschulabsolvent*innen verschiedenster Fachrichtungen als Lehrkräfte an Kindergärten und Schulen, wo sie mit sozioökonomisch benachteiligten Kindern und Jugendlichen arbeiten. Mit ihren unterschiedlichen Studienhintergründen inspirieren die Fellows aktuell 17.000 Schüler*innen und geben wichtige Impulse für deren berufliche Zukunft.

Innovation fördern

Bislang ist Österreich nicht für seine herausragenden Rahmenbedingungen für Entrepreneure bekannt. Plattformen wie AustrianStartups oder The Social Entrepreneurship Forum wollen das ändern. Der unabhängige Innovationshub bringt Ideenfinder und Start-Upper zusammen und befeuert so Entrepreneurship in Österreich. Das ist auch das Ziel des Social Impact Awards. Er soll Studierende dazu motivieren, nicht nur unternehmerisch zu denken, sondern auch sozial zu handeln. Die Teilnehmer*innen entwickeln im Rahmen des Wettbewerbs neue Konzepte und Ideen, um gesellschaftliche Herausforderungen zu meistern – und das mit Erfolg! 2018 sind 58 Teams angetreten, von denen mehr als die Hälfte ihre eingereichten Projektideen auch umgesetzt haben. Mit innovativen Organisations- und Arbeitsformen hingegen beschäftigt sich die „Freiräume (Un)Conference“. Sie fand im Mai 2019 bereits zum vierten Mal mit über 300 Teilnehmer*innen in Graz statt. Zu den Leitthemen gehören Selbstorganisation, Ganzheit und unternehmerischer Sinn – ganz nach dem Buch Reinventing Organizations von Frederic Laloux.

Internationales Engagement

Neben seines Engagements innerhalb der eigenen Grenzen, unterstützt Österreich auch Menschen im Ausland. Die Digital-Agentur more onion möchte die Welt zum Positiven verändern. Als Spezialist für den Non-Profit-Sektor berät sie dabei Organisationen bei ihrer Strategie, leistet Kreativ-Arbeit und unterstützt mit technischer Expertise – etwa beim Aufsetzen von Petitions- und Spendenseiten oder beim Management von Fundraising-Kampagnen.
Einen anderen Weg verfolgt die katholische NGO HORIZONT3000. Als eine der etabliertesten Akteure der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit fördert die Organisation besonders benachteiligte Menschen im Globalen Süden in ihrer nachhaltigen und menschengerechten Entwicklung. Dabei handelt sie nach den SDGs, den nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen. Auch die internationale Organisation Licht für die Welt kämpft für eine inklusive Entwicklung weltweit. Gemeinsam mit Partner*innen aus dem Globalen Süden setzt die Organisation sich dafür ein, dass behinderte Menschen ein selbstbestimmtes Leben bestreiten und gleichberechtigt an Kultur, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft in ihrem Land teilhaben können.

Wir können zusammenfassen: Österreich ist ein wahrer Champion der Nachhaltigkeit. Wenn du zukünftig die österreichischen Good Companies mit vollem Einsatz unterstützen willst, findest du auch bei uns spannende Jobs mit Sinn.