New work, new words. Neue Arbeitskonzepte haben der Arbeitswelt einen völlig neuen Wortschatz beschert. Was früher der Management-Chefetage und Marketingprofis vorenthalten war, findet heute in jedem kleinen Unternehmen statt: Von Englisch bis Denglisch werden neue Wortkreation als selbstverständliches Bürovokabular vorausgesetzt. Nicht nur, weil es schicker klingt, sondern auch, weil es meist an treffenden deutschen Übersetzungen und Definitionen mangelt. Aber was versteht man eigentlich unter einem „Offsite“? Übersetzt bedeutet Offsite schlicht und ergreifend „weg vom (Arbeits-)Platz“. Dahinter verbirgt sich irgendetwas zwischen Betriebsausflug, Tagung und Meeting. Der Wunsch nach Abwechslung im Arbeitsalltag hatte sich auch innerhalb des Teams von GoodJobs ausgebreitet. Nach ereignisreichen Monaten voller Erfolge und neuer Projekte, haben wir uns den Tapetenwechsel auch mehr als verdient, finden wir. Zeit also für eine Selbststudie, um den Mehrwert von Offsite zu erforschen.

Will gut ausgesucht sein: Die Location 

Am Anfang jedes Offsite steht die Auswahl der Location. Wer einen kreativen Ort für sich und seine Kolleg*innen sucht, der wird in und rundum Berlin garantiert fündig. Die Auswahl an Aktivitäten und Unterkünften ist riesig, die Qual der Wahl schwer. Ein paar E-Mails, ein prall gefülltes Excel-Sheet mit dem Titel „Programm-Ideen Offsite – bitte eintragen“ und eine kurze Zugfahrt mit dem Regio später, stehen wir vor dem Seminarhaus Taubenblau in Stolzenhagen außerhalb der Berliner Stadtgrenze. An diesem friedvollen Ort wollen wir uns zwei Tage ohne Ablenkung ganz auf uns und unser Miteinander fokussieren. Nadine Binias vom Seminarhaus ist sich sicher: „Wer mal in Stolzenhagen war, der strahlt!“ Klingt vielversprechend. Und tatsächlich scheinen sich ab der ersten Sekunde die Gemüter zu entspannen. Wir fühlen uns augenblicklich wohl. Für unser leibliches Wohl ist Dank des zuvorkommenden Teams mehr als gesorgt, die Natur lädt zum Durchatmen und Abschalten ein, während das Haus durch seine gemütliche Atmosphäre sowohl Raum für Begegnung, als auch Rückzug schafft. Und wer es dennoch nicht schafft den Großstadt-Stress abzuschütteln, kann bei einer heißen Dusche den Blick durch das tief hängende Dachfenster nach draußen durch die grünen Baumkronen schweifen lassen und den entfernt schreienden Eseln der Nachbarin lauschen. Erst vor Ort wird uns bewusst, wie wichtig die Wahl einer geeigneten Location für ein Offsite ist.

 

Zeit für Minimalismus

Die Offsite-Zeit mit Kolleg*innen soll für Entspannung sorgen und uns als Team näher zusammenbringen. Spaß steht sicher ganz weit oben auf der to-do-Liste, aber wir wollen auch unser berufliches Miteinander voranbringen. Dazu versammeln wir uns auf der großzügigen Terrasse und besprechen den Ablauf der anstehenden zwei Tage. Anstatt extravaganter Team-Aktivitäten stehen von unseren Kolleg*innen eigens organisierte Workshops rund um das Thema Arbeitskultur auf dem locker zusammengestellten Programmplan. So können wir sicher sein, dass die Themen unseren Berufsalltag wirklich betreffen und wir sind motiviert, uns aktiv bei einzelnen Programmpunkten einzubringen. Unser Ausflugsmotto heißt Minimalismus, denn wir wollen uns bewusst Raum und Zeit nehmen, um aufkommende Themen ohne Termindruck zu besprechen. Ohne straffen Zeitplan und ohne Stress besprechen wir unseren Feedbackprozess, basteln gemeinsam Plakate für den Klimastreik und lernen, wie wir Gruppen-Entscheidungen mit Hilfe des Konsent-Prinzips effektiver fällen können. Nach dem gemeinsamen Abendessen kuscheln wir uns in Decken und erfahren bei einem Glas Wein, wie wir mit Social Entrepreneurship die Welt verändern können, ehe wir den Abend mit einer Gesprächsrunde und lockerem Beisammensein beschließen. 

Gelegenheit für Sinnfragen

Der nächste Morgen beginnt mit einer freiwilligen Meditation und Yoga. Währenddessen passen einige Team-Mitglieder den anstehenden Kultur-Workshop an, um die Erkenntnisse des vorherigen Abends aufzugreifen. Doch irgendwo zwischen Spaß und Lernen drängt sich uns unweigerlich eine Frage auf: Warum tue ich, was ich tue? Eine Frage, die schwerer zu beantworten ist, als es die meisten vermutet hätten. Die Vision und Mission sind die Manifestation des Warums und der Motor einer Unternehmung. Die Antwort auf das Warum gibt Sinn, Richtung und sorgt für intrinsische Motivation – Dinge, die für Unternehmen wie GoodJobs, die sich dem Prinzip der Selbstorganisation verschrieben haben, unverzichtbar sind. Sie müssen daher nicht nur sehr präzise formuliert, sondern auch kommuniziert und immer wieder vergegenwärtigt werden. Etwas, das im Arbeitsalltag in Vergessenheit geraten war und dem wir nun wieder die gebührende Aufmerksamkeit schenken wollen. 

Das Wichtigste am Offsite - unser Fazit

Ehe wir uns versehen, ist unsere Zeit im Seminarhaus Taubenblau auch schon wieder vorbei. So schwer uns die Abreise auch fällt, für uns endet das Offsite hier nicht. Wir haben viel gelacht, diskutiert und besprochen. Jetzt liegt es an uns, die Erkenntnisse vom Flipchart weiterzuentwickeln und in unseren realen Arbeitsalltag zu integrieren. Vermutlich ist das sogar der entscheidende Punkt: Damit ein Offsite nicht zu einem „Ressourcenfresser“ wird, wie es manche kritische Stimmen behaupten, müssen klare Zuständigkeiten festgelegt werden, die die Ergebnisse der Workshop festhalten und nach dem Aufenthalt voranbringen.
Müssten wir nun ein Offsite definieren, wäre es für uns eine Gelegenheit, unser gesamtes Team fernab des gewohnten Arbeitsplatzes zusammenzubringen. Das Programm kann dabei den Bedürfnissen entsprechend individuell gestaltet werden, jedoch steht die Frage, wie man zusammenarbeitet, im Fokus – also Strategie, Ziele, Arbeitskultur. Ein Offsite bietet Raum, all diese Dinge zu besprechen, um die gemeinsam getroffenen Entscheidungen anschließend in der „normalen“ Arbeitswelt umzusetzen. So stellt man sicher, dass alle Kolleg*innen an Bord sind. Oder wie unsere Gastgeberin Nadine so schön sagte: „Ein Offsite Event ist wie Arbeit im Paradies. Oder wie ein Retreat mit Business-Zielsetzung.“