Normalerweise werden im Gemeinschaftsraum des großen Wohnhauses in Berlin-Friedrichshain Geburtstagspartys gefeiert, aber heute Abend ist Marktzeit. Gastgeber Andreas ist ein „Marktschwärmer“, wie es auch auf der schwarzen Schürze steht, die er sich immer umbindet, wenn er am Dienstagabend für zwei Stunden zu diesem besonderen Erzeugermarkt lädt. Im ersten Raum liegen sorgfältig verpacktes Brot, Obst, Gemüse und Räuchertofu-Stücke, über eine Treppe geht es in den Partykeller, wo heute Abend Eier und Geflügel, Apfelsaft und Räucherschinken zur Abholung bereit stehen.

Das Prinzip der Märkte: Alle Produkte kommen aus kleinen regionalen Betrieben. Die Kund*innen melden sich kostenlos bei marktschwärmer.de an, bestellen ihre Lebensmittel online und holen den Einkauf in der Schwärmerei in ihrer Nähe ab. Das garantiert nicht nur, dass man hochwertige Produkte erhält, deren Herkunft man genau nachvollziehen kann, sondern auch, dass die Erzeuger*innen fair bezahlt werden.

Einsatz mit Sinn: Gastgeber*in einer Schwärmerei werden

Andreas leitet seit Mai 2015 „seinen“ wöchentlichen Pop-up-Markt: „Bewusste Ernährung ist für mich selbstverständlich, daher wollte ich mich für Kleinbauern engagieren.“ Als Gastgeber einer Schwärmerei, so erzählt der 44-Jährige, könne man zudem das Angebot vielfältig und nach seinen individuellen Maßstäben gestalten. Diese Leidenschaft für gute Ernährung teilt auch Fanny, die nach ihrem Studium zurück in ihre Heimatstadt Dresden ging – und verzweifelt feststellte, dass es in ihrem Stadtteil außer einem Discounter keine weiteren Einkaufsmöglichkeiten gab. „Ich will anders einkaufen!“ schwor sich die 29-Jährige. Im November 2016 eröffnete sie die erste Schwärmerei in Dresden – und traf damit den Nerv vieler Menschen in ihrem Viertel. Heute gehen in manchen Wochen über 100 Bestellungen ein. Das Ergebnis ist „eine sehr bunte Veranstaltung“, bei der junge Familien genauso wie Hipster und deren Eltern auf engagierte Junglandwirt*innen und alteingesessene Markthändler*innen treffen.

Gemüse auf einem Tisch im Hintergrund; Eier werden einer Person ausgehändigt.
“Bauer To The People”: Wo sich Erzeuger*innen und Verbraucher*innen wieder direkt begegnen, wächst echtes Vertrauen in die Fairness und Qualität unseres Essen.
© Marktschwärmer

Nachhaltige Vernetzung:  Direkter Draht vom regionalen Kleinbetrieb zu den Verbraucher*innen

Rund zehn Stunden pro Woche investiert man als Gastgeber*in in eine Schwärmerei, wobei man in der Anfangsphase auch ein wenig „powern“ muss, wie Andreas bestätigt. Viele Gastgeber*innen schließen sich daher in Teams zusammen, um Erzeuger*innen zu gewinnen, einen geeigneten Raum zu finden, das Sortiment auszuwählen und Werbung für den neuen Nachbarschaftsmarkt zu machen. Als Anerkennung fließen genau 8,35 Prozent des Umsatzes an die Gastgeber*innen zurück. „Machen wollen ist wichtig“, beschreibt Fanny den Kern ihres Einsatzes, bei dem es auch viel um die Kommunikation mit Kund*innen und Erzeuger*innen geht: über Produkte, Neuheiten und Bedingungen in der Landwirtschaft, die auf einmal sehr nahe rückt.

Die 50. Schwärmerei in Deutschland ist im Februar 2019 eröffnet worden – es ist die dritte in Dresden unter Fannys Regie, die als Gastgeberin mittlerweile selbstständig ist und dem IT-Konzern, für den sie vorher tätig war, den Rücken gekehrt hat. „Sinn ist das Stichwort“, antwortet sie auf die Frage nach dem Warum: „Es fühlt sich einfach gut an, diese Menschen in ihrem Tun zu unterstützen. Ich weiß, was ich gemacht habe – für Erzeuger, die ich kenne, für mich und meine Region.“

Dieser Text wurde im Auftrag der Marktschwärmer erstellt. 

Marktschwärmer Logo

Fünfzig lokale Schwärmereien haben die Marktschwärmer zwischen Kiel und Freiburg, Köln und Dresden bereits aufgebaut, weitere dreißig entstehen gerade. Die Initiative unterstützt jeden, der die neue Art des fairen Regionalmarktes in seinen Ort oder Stadtteil holen möchte. Alle Infos und Ansprechpartner*innen unter werde.marktschwaermer.de