Die Verschmutzung der Meere gehört neben dem Klimawandel vermutlich zu unseren größten Umweltproblemen. Und eines der größten Probleme mit Blick auf die Meeresverschmutzung ist sicherlich Plastik, das in Massen durch die Ozeane schwimmt.

Dabei geht es nicht nur um große, sichtbare Teile, sondern immer mehr um sogenanntes Mikroplastik. Die kleinen Teilchen, die maximal wenige Millimeter groß sind, entstehen nicht nur durch den Zerfall großen Plastiks. Sie werden auch Kosmetika beigefügt, beispielsweise in Peelings. Es gibt – zumindest in Deutschland – noch keine gesetzliche Regelung, die ein Verbot für Mikroplastik in Kosmetika vorsieht. Einige Hersteller haben sich selbst dazu verpflichtet, in ihren Produkten auf Mikroplastik zu verzichten. Solche freiwilligen Initiativen bringen erfahrungsgemäß allerdings recht wenig, da beispielsweise die Definition von „Mikroplastik“ sehr eng gefasst wird – wodurch oft genug Schlupflöcher für die Unternehmen übrig bleiben.

Hinzu kommt, dass sich die Kleinstteilchen – einmal im Wasserkreislauf – nur sehr schwer wieder herausfiltern lassen. Vor allem Klärwerke sind nur mangelhaft im Stande, Mikroplastik aus dem Wasser zu holen. Und so gelangt es dann in Flüsse, Meere, Ökosysteme – und letztlich auch in unseren Körper. Ein junges Unternehmen hat deswegen überlegt, wie man Plastik ersetzen kann. Seine Lösung zur Bekämpfung von Mikroplastik: flüssige Seide.

Kein Plastik, aber eine gewaltfreie Seidengewinnung

Wenn man sich jetzt das Wort Seide vor Augen führt, so fragt man sich schnell, wie dieses Material, was seit Jahrtausenden zur Herstellung von feinen Stoffen verwendet wird, gegen Mikroplastik bewirken kann. Doch Seide, welche von den Kokons der Seidenraupen gewonnen wird, erweist sich neben ihren isolierenden und pflegenden Eigenschaften als vielseitig und innovativ. So mancher Tierschützer möchte jetzt wahrscheinlich aufschreien, da die traditionelle Seidenherstellung für die Raupen den Tod bedeutet. Keine Sorge, die Firma Silk Therapeutics setzt auf eine gewaltfreie Herstellung der flüssigen Seide, indem sie nur Kokons nutzen, aus denen bereits ein Schmetterling schlüpfen konnte.

Wenn sich eine Raupe verpuppt, legt sich ein einziger langer Seidenfaden rund um den Kokon. Das proteinreiche Material verhärtet sich, sobald es der Luft ausgesetzt wird und bietet der Raupe so genügend Schutz. Durch das Schlüpfen des Schmetterlings wird der Kokon beschädigt und von den meisten Textilproduzenten entsorgt. Gerade diese Kokons werden von Silk Therapeutics genutzt. In einem chemischen Verfahren wird der erhärtete Seidenfaden, der sich rund um den Kokon legt, verflüssigt. 

In der flüssigen Form ist Seide vielseitig einsetzbar und kann so auch Mikroplastik in Hautpflegecremes ersetzen. Doch mit Hilfe von 3D-Druck könnte sie in Zukunft für die Herstellung von Bechern genutzt werden, die dadurch biologisch abbaubar sind. Bei Silk Therapeutics wird sie in Haut- und Körperpflegeprodukten eingesetzt, auf schädliche chemische Inhaltsstoffe wird verzichtet.

Zwar sind die Produkte des Bostoner Hautpflege-Unternehmens noch etwas teuer, doch die Firma arbeitet an einer effizienteren Methode, um Flüssigseide herzustellen, sodass tonnenweise Flüssigseide in kürzester Zeit hergestellt werden können. 

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