31 Jahre – so lange muss man warten, bis der Herr Geheimrat Dr. Oldenburg endlich soweit ist. Und er ist dabei in guter Gesellschaft. Der Minister von Hammerstein braucht ebenso lange. Doch es lohnt sich auf die hohen Herren zu warten, denn ihr Geschmack ist hervorragend.

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Dr. Oldenburg und von Hammerstein zählen definitiv zur feinen Gesellschaft – der Apfelbäume. Sie sind alte Hochstammsorten, die vor allem auf Streuobstwiesen zu finden sind. Und in den Getränken des Start-ups Ostmost.

Denn das Berliner Unternehmen rund um die Gründer Bernd Schock, Harald Alm und Dennis Meier machen aus ökozertifiziertem Streuobst Saft, Schorlen und Cider. Ihr Ziel: leckere Drinks und gleichzeitig mit dem Erlös den Fortbestand der Streuobstwiesen in Brandenburg sichern. Denn um die steht es schlecht – rund 80 Prozent der ehemaligen Fläche sind mittlerweile abgeholzt. Dabei sind die Wiesen wertvolle Biotope. Über 5000 Arten leben darin und damit zählen sie zu den vielfältigsten Lebensräumen Mitteleuropas.

Das Ostmost-Konzept: Streuobstwiesen einen monetären Wert verleihen

Die Ostmost-Idee klingt einfach: den Streuobstwiesen einen monetären Wert verleihen. „In unserer Gesellschaft ist leider nur das schützenswert, was auch etwas erwirtschaftet“, erklärt Dennis Meier das Konzept. Orientiert hat sich Ostmost dabei ein wenig an Lemonaid, die mit ihrem Erlös Projekte der Entwicklungszusammenarbeit unterstützen.

Wie Lemonaid ist auch Ostmost im hochpreisigen Segment angesiedelt. Der Grund: die Bewirtschaftung der Streuobstwiesen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Obstplantagen, deren niederstämmigen Sorten bereits nach drei bis fünf Jahren ergtragsreich sind, brauchen die Hochstammsorten rund 30 Jahre. Zudem ist die Ernte aufgrund der Höhe der Bäume aufwendiger. Auf den Einsatz von schweren Maschinen muss aufgrund des Naturschutzes außerdem verzichtet werden. Ein weiterer Fakt: Da auf einer Streuobstwiese viele unterschiedliche Sorten wachsen, kann die Ernte im Gegensatz zu einer Monokultur nicht zu einem Zeitpunkt erfolgen.

Ostmost ist zudem Mitinitiator der Kampagne „Reclaim Streuobstwiesen“, mit der die Gründer neben ihrem Geschäftsfeld zur Rettung der ökologischen Schätze beitragen wollen. Der andere Partner ist der von Bernd Schock gleichzeitig zu Ostmost gegründete Verein „Äpfel und Konsorten“. Der Verein kümmert sich unter anderem um die Aufforstung und bietet allen, die mitmachen wollen, die Möglichkeit sich für die Streuobstwiesen zu engagieren.

Gründer wollen noch nicht in Supermärkte

Die aktuelle Chargen von Ostmost stammen noch nicht aus Brandenburg, sondern aus der thüringischen Rhön. Die fertigen Produkte sind frei von künstlichen Farb-, Aroma- und Konservierungsstoffen und enthalten keine Gentechnik. „Wir verzichten außerdem auf Hilfsmittel tierischen Ursprungs zur Klärung der Getränke, die somit vegan sind“, sagt Meier.

Aktuell ist Ostmost vor allem in Berlin zu finden. Doch es gibt bundesweit auch einzelne Geschäfte, die zur Rettung der Streuobstwiesen beitragen wollen. In die Supermärkte wollen die Gründer jedoch aktuell auch gar nicht. „Wir haben nur eine begrenzte Menge an Streuobst zur Verfügung“, erklärt Meier. Um die Produktionsbedingungen fair zu gestalten, zahlt Ostmost den Obstbauern und Initiativen mehr als das Doppelte des marktüblichen Preises.

„Wir suchen bewusst nach Partnern, die unsere Philosophie und das daraus resultierende Aufpreismodell mit uns teilen. Es gab Angebote von Großhändler, die uns Preise genannt haben, zu denen sie uns aufgenommen hätten, aber die sind weit entfernt waren, was wir für uns als Preis identifiziert haben, um unsere Arbeit wirklich nachhaltig machen zu können“, sagt Meier.

Lange suchen muss man in Berlin dennoch nicht, wenn man Ostmost-Säfte, Schorlen oder den Cider kaufen möchte. So führt mit der Bio Company eine größere Biomarkt-Kette die Produkte in ihrem Sortiment. Und das hätte dem Herrn Geheimrat Dr. Oldenburg sicher gefallen. Denn hier steht er in bester nachhaltiger Gesellschaft in den Regalen und Kühlschränken.

Dieser Artikel erschien zuerst im enorm Magazin.