Dein Traumunternehmen hat noch keine passende Stelle für dich auf GoodJobs geschaltet? Vielleicht bist du mit deinen Fähigkeiten trotzdem ein Zugewinn, von dem die andere Seite noch gar nichts weiß. Manche Rollen im Unternehmen entstehen auch erst durch neuen Input und werden an die Skills der Mitarbeiter*innen angepasst. Die Vorteile einer Initiativbewerbung liegen klar auf der Hand: keine oder zumindest weniger Konkurrenz, du punktest automatisch mit Engagement und musst deine Stärken und Qualifikationen nicht auf vorgegebene Anforderungen anpassen. Selbst wenn es nicht direkt klappt, hast du gute Chancen, im unternehmensinternen Talent Pool aufgenommen zu werden. Wir haben Katrin Schwerdtner, die HR Managerin von Tomorrow gefragt, wie sie zu Initiativbewerbungen steht und wie man dabei vorgehen sollte.

Hast du dich selbst schon mal initiativ beworben?

Ich selbst habe mich schon einige Male initiativ beworben, wenn mich ein Unternehmen in Form des Produkts/der Dienstleistung und der Unternehmenskultur begeistert hat. Wenn ich dann außerdem den Eindruck hatte, dass meine Skills und Talente ein Gewinn für die Mission sein könnten, bin ich es proaktiv angegangen. Tomorrow hat damals eine/n Teilzeit Recruiter*in gesucht. Ich fand Tomorrow toll, aber reines Recruiting hätte mich nicht gereizt. Also habe ich mich als HR Managerin beworben und nachgefragt, ob wirklich nur ein/e Recruiter*in gebraucht wird oder vielleicht doch ein/e HR Generalist*in, der/die die Menschen auch über das Onboarding hinaus begleitet. Das hat uns miteinander ins Gespräch gebracht und daraus ist meine heutige Rolle entstanden. 

Nicht alle Branchen sind offen für Initiativbewerbungen: Laut einer aktuellen Studie sind nicht mal ein Viertel der Unternehmen darüber erfreut, wenn sie aus dem Bereich Finanzdienstleistungen kommen, während in der IT hingegen 70% der Unternehmen diese Bewerbungsform befürworten. Sollte man sich also nur in bestimmten Branchen initiativ bewerben?

Ich würde das nicht auf bestimmte Branchen festlegen, sondern sehr individuell an die Sache herangehen. Häufig weisen Unternehmen ja schon auf ihren Karriereseiten darauf hin, ob sie für Initiativbewerbungen aufgeschlossen sind oder nicht. Das sollte man akzeptieren. Im Zweifelsfall bringt ein kurzer Anruf bei der Personalabteilung Klarheit. Das größte Potenzial für initiative Bewerbungen sehe ich unabhängig von der Branche bei Startups oder kleinen Unternehmen im Wachstum. Hier entstehen oft schneller neue Rollen, als das Recruiting diese in Job Descriptions formulieren und veröffentlichen kann. Es gibt auch immer mal wieder die Situation, dass sich jemand initiativ bewirbt und man feststellt: Genau so ein Profil wäre eine super Ergänzung für unser Team. In Konzernstrukturen ist es natürlich ungemein schwieriger, Initiativbewerbungen zu verarbeiten. Hier würde ich in jedem Fall vorab klären, ob die Mühe sich lohnt.

Wie viele Initiativbewerbungen erhaltet ihr pro Monat im Schnitt? Habt ihr darauf basierend auch schon mal eine/n neue/n Mitarbeiter*in eingestellt? 

Wir bekommen bei Tomorrow im Schnitt 30 Initiativbewerbungen pro Monat, wir laden aber auf unserer Karriereseite auch explizit dazu ein. Natürlich können wir nicht jede/n Bewerber*in persönlich kennenlernen und auch nur den wenigsten tatsächlich ein Angebot machen. Gerade diesen Monat passte eine der Initiativbewerbungen allerdings wie die Faust auf‘s Auge und wir konnten so einen neuen Mitarbeiter für uns gewinnen. Wann immer uns jemand von sich überzeugt und wir (noch) keine Vakanz für das entsprechende Profil haben, schlagen wir dem/der Bewerber*in vor, in unseren Talent Pool aufgenommen zu werden. Und auf den kommen wir bei der Besetzung neuer Position wirklich häufig zurück. 

In welchen Punkten sollte sich eine Initiativbewerbung von einer klassischen Bewerbung unterscheiden?

Aus meiner Sicht gibt es da nicht unbedingt andere formale oder inhaltliche Ansprüche, sondern eher einen anderen Fokus des Recruiters/der Recruiter*in, den man berücksichtigen sollte. Während ich bei klassischen Bewerbungen zuerst den Lebenslauf anschaue, lese ich bei Initiativbewerbungen zunächst das Anschreiben. Da man sich nicht auf eine ausgeschriebene Vakanz bezieht, sollte hier in wenigen Sätzen vermittelt werden, wo die eigenen Stärken und Interessen liegen und wie diese ganz konkret eingebracht werden könnten. Ich würde daher empfehlen, sich für diese Fragen wirklich Zeit zu nehmen. Wer bin ich? Was kann ich? Und wieso könnte das für das Unternehmen spannend sein? 

Sollte man sich dabei konkret auf eine Position festlegen oder lieber offen für alles bleiben? 

Bezieht man sich auf eine konkrete Position, schließt man natürlich vieles aus, was eventuell auch zu einem passen und Spaß machen könnte. Häufig kennt man ja die Strukturen, Abteilungen und Positionen des Unternehmens noch gar nicht. Oder das eigene Skillset lässt sich nicht so ohne weiteres in einer Positionsbezeichnung abbilden. Eine Initiativbewerbung hingegen, die sich hinsichtlich der vorhandenen Interessen gar nicht festlegt, hat schnell den Beigeschmack von Willkür. Klüger finde ich es, eine grobe Richtung vorzugeben, wie z. B., dass man im Bereich Marketing unterstützen möchte. So gibt man dem/der Recruiter*in einen Anhaltspunkt, für welche Abteilung die Bewerbung relevant sein könnte und lässt gleichzeitig Raum für die Interpretation des eigenen Profils und für kreative Ideen zu Einsatzmöglichkeiten im Unternehmen. 

Kannst du uns ein Beispiel einer besonders gelungenen Initiativbewerbung geben?

Wir haben bei Tomorrow ein öffentliches Trello-Board – unseren „Maschinenraum“. Hier zeigen wir ganz transparent die nächsten Schritte auf unserer Produkt-Roadmap. Ich habe vor kurzem eine Initiativbewerbung erhalten, bei der sich im Anschreiben konkret auf den Maschinenraum bezogen wurde. „Ich habe gesehen, dass ihr in Zukunft auch nachhaltige Geldanlagen anbieten möchtet. Dabei würde ich euch gern unterstützen, denn …“ Da merkt man sofort, dass sich jemand mit dem Unternehmen und dem Produkt beschäftigt hat.

Was hat dich dabei insbesondere überzeugt? Auf was achtest du bei Initiativbewerbungen generell?

Besonders gut hat mir hier gefallen, dass der/die Bewerber*in sich mit Tomorrow und unserem Geschäftsmodell auseinandergesetzt und direkt einen Schritt weitergedacht und auf Synergien hingewiesen hat. Klar, das erleichtert mir natürlich auch meinen Job. Normalerweise schaue ich mir den CV an und versuche im nächsten Step zu eruieren, inwiefern es Überschneidungen zwischen dem Profil des Bewerbers/der Bewerberin und unseren anstehenden Projekten gibt. Wenn man diesen Schritt durch eine so sauber vorbereitete Bewerbung antizipiert, vereinfacht das aber nicht nur das Screening. Es wird auch sofort klar, dass man es mit jemandem zu tun hat, der/die proaktiv, lösungsorientiert und mit Hands-on-Mentalität agiert, ohne dass diese „Buzzwords“ noch mal separat in der Bewerbung aufgeführt werden müssen. Bei so einer Bewerbung ist man richtig gespannt darauf, sich mit dem/der Bewerber*in über weitere Ideen auszutauschen. 

Hast du auch ein Gegenbeispiel, wie man es nicht machen sollte?

Wir bekommen bei Tomorrow wirklich viele tolle Initiativbewerbungen. Schwierig finde ich es persönlich immer, wenn jemand initiativ einen unkommentierten Lebenslauf schickt. Das lässt einfach viele Fragen unbeantwortet und erweckt den Anschein, dass die Motivation hinter der Bewerbung eher gering ist und der gleiche Lebenslauf auch noch an zehn andere Unternehmen geschickt wurde. Ich erwarte wirklich keine detaillierte schriftliche Aufarbeitung der eigenen Lebensgeschichte oder seitenlange Motivationsbekundungen im Anschreiben – ganz im Gegenteil. Aber ein kleiner Hinweis darauf, warum man sich kennenlernen sollte, obwohl eigentlich keine Stelle ausgeschrieben ist, kann auf keinen Fall schaden.

Verrätst du uns zum Schluss noch deinen ultimativen Bewerbungstipp?

Das ist natürlich sehr subjektiv und zudem stark abhängig von der Branche, in der man sich bewegt und der Stelle, für die man sich bewirbt. Ich bin ein total neugieriger Mensch. Vor kurzem schrieb ein Bewerber, dass er mit seinem sehr exotischen Vornamen nur den zweitlustigsten Namen innerhalb der Familie trägt. Sowas bringt mich zum Lachen und triggert meine Neugierde. Wäre die Bewerbung allerdings inhaltlich nicht interessant gewesen, hätte dieser Satz das Ruder jetzt auch nicht herumgerissen. Generell freue ich mich über jede Bewerbung – klassisch oder initiativ – die erkennen lässt, dass der/die Bewerber*in verstanden hat, wer wir sind und was wir tun und auf eine authentische Art klar macht, dass er/sie Lust hat, da mitzumachen.