Dieses Jahr jährt sich der Geburtstag des berühmten deutschen Philosophen, Ökonomen, Gesellschaftstheoretikers und Politikers zum 200. Mal. Viele seiner Gedanken und Theorien waren schon zu seinen Lebzeiten hochumstritten. Und es gibt nicht wenige Kritiker, die seine Ansichten als schlichtweg falsch bezeichnen.

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Sollten wir Karl Marx also einfach als den Begründer des Kommunismus im Hinterkopf behalten und alles weitere den Historikern überlassen? Zugegeben, das klingt verlockend. Hat doch jeder, der schon einmal den Versuch gewagt hat, einen Originaltext von Marx zu lesen, wahrscheinlich schnell bemerkt, dass es sich dabei nicht gerade um leicht lesbare Strandlektüre handelt.

Projekt „Marx 2018“

Marx abzuschreiben wäre allerdings ein großer Fehler. Denn gerade in unserer heutigen (Arbeits-)Welt sollten wir uns seine Theorien ganz genau anschauen.

Natürlich lassen sich nicht alle Gedanken und Ansichten direkt auf unsere heutige Situation übertragen. Lässt man sich auf das Gedankenexperiment „Marx 2018“ ein, müssen Zusammenhänge und Aussagen nach mehr als einem Jahrhundert neu eingeordnet und bewertet werden.

Liest man Marx nicht mit den Anspruch, ihn als Propheten oder Heilsbringer für alle gesellschaftlichen Probleme  glorifizieren zu können, zeigt sich, dass sein Grundgedanke heute aktueller denn je ist.

Der große Kontrollverlust

Marx-Biograf Jürgen Neffe fasst die Kernaussage, die uns Marx hinterlassen hat in nur einem Wort zusammen: Kontrollverlust. Für Marx hat der Mensch mit dem Kapitalismus ein System geschaffen, dass er nicht mehr kontrollieren kann, sondern vielmehr selbst davon beherrscht wird.

Das zeigte sich für ihn vor dem Hintergrund der fortschreitenden Industrialisierung an der zunehmenden Entfremdung von Mensch und Arbeit. Während Waren und Güter vor der industriellen Revolution meist das Werk einer Person war, sorgten Arbeitsteilung und Rationalisierungsprozesse in den immer größer werdenden Fabriken Ende des 19. Jahrhunderts dazu, dass Arbeiter häufig nur noch einen – meist immer den gleichen – Teil eines Gutes herstellen.

Laut Marx führt das aber nicht nur zu einer fehlenden Identifikation mit der eigenen Arbeit, sondern zunehmend auch zur Entfremdung der Menschen untereinander.

Industrie 4.0: ein Kontrollverlust?

Im Hinblick auf die Digitalisierung werden Marx Gedanken auf einmal wieder hochaktuell. Mit der Automatisierung weiter Teile unserer Wirtschaft und Gesellschaft haben wir genau jenes System erschaffen, dass wir selbst nicht mehr kontrollieren können. Wir können die Entwicklung weder aufhalten, noch rückgängig machen.

Denn machen wir uns nichts vor: Unsere Arbeitswelt wird immer digitaler, was viele Jobs nicht überleben werden. Ob bewusst oder unbewusst werden wir alle schon jetzt tagtäglich von Algorithmen beeinflusst. Und, denkt man beispielsweise an Bereiche wie die Medizin, wird klar, dass wir bei ganz elementaren Dingen schon längst auf künstliche Intelligenzen und Maschinen angewiesen sind.

Für uns stellt sich also nicht mehr nur die Frage, ob wir uns mit unserer Arbeit identifizieren können. Vielmehr wird es höchste Zeit, dass wir uns Gedanken darüber machen, welche Rolle der Mensch in einer digitalisierten und vollautomatisierten (Arbeits-)Welt spielen kann.

Arbeiten, um zu leben – Leben, um zu arbeiten

Wir haben heute die Chance, neue soziale Werte zu schaffen, die nicht nur unsere Arbeitswelt, sondern auch unser gesellschaftliches Zusammenleben in einer digitalisierten Welt definieren.

Lässt man alle politischen Ideologien einmal außer Acht, stellte Marx vor über 100 Jahren genau die elementare Frage, die uns auch heute noch beschäftigt: Wollen wir leben, um zu arbeiten, oder arbeiten wir, um zu leben?

 

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