Zeit für faire Arbeitsbedingungen und Umweltstandards – die Fashion Branche braucht endlich den Wandel, der menschenwürdiges und nachhaltiges Arbeiten möglich macht. Um das zu erreichen wurde das erste staatliche Siegel ins Leben gerufen: der Grüne Knopf.

Die Fashionbranche – Ein Arbeitsumfeld im Wandel

Wer kennt sie nicht? Die Bilder der (hauptsächlich) Frauen, die färben, nähen, weben – in großen dunklen Hallen, unter menschenunwürdigen und gesundheitsschädlichen Bedingungen – und das für einen Hungerlohn; die Bilder des eingestürzten Fabrikgebäudes Rana Plaza, das 2013 über 1000 Textilarbeiter*innen unter sich begrub. Diese Sinnbilder stehen für die verheerenden Zustände in der Textil- und Fashion Branche, die unser Wirtschaftssystem und viele Unternehmen mittragen und verantworten. 

Der Grüne Knopf soll dieser Situation nun ein Ende setzen. Er ist das erste staatliche Textilsiegel Deutschlands und wurde im September 2019 vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit ins Leben gerufen. 

Was kann der Grüne Knopf?

Unter dem Motto “Sozial. Ökologisch. Staatlich. Unabhängig zertifiziert.” sollen mit dem Grünen Knopf Standards in der Textilbranche eingehalten werden, die für den Schutz von Mensch und Umwelt sorgen. So stellt der grüne Knopf zum Beispiel den Verzicht auf Kinderarbeit oder die Verwendung von gefährlichen Chemikalien sicher. Dabei helfen strikte ökologische und soziale Produktkriterien, die von den Unternehmen erfüllt werden müssen. Zu erkennen sind Kleidungsstücke, die anhand dieser Kriterien gefertigt wurden, am Symbol des Grünen Knopfes am Etikett, direkt auf dem Produkt oder auf der Verpackung. Das Ziel ist es also, uns Verbraucher*innen im Bereich der Textilien und Kleidung eine bessere Orientierung für unseren Einkauf zu geben. Momentan befindet sich das Siegel in der Einführungsphase, die bis Juni 2021 geplant ist. 

Wer verdient den Grünen Knopf? – Diese Kriterien müssen eingehalten werden

Ob ein Kleidungsstück mit dem Grünen Knopf ausgezeichnet wird, hängt von den zwei Säulen des Textilsiegels ab: von der Unternehmensprüfung und der Produktprüfung

Die Unternehmensprüfung stellt sicher, dass nicht einfach nur einzelne “Vorzeigeprodukte” ausgezeichnet werden, sondern das gesamte Unternehmen seiner menschenrechtlichen, sozialen und ökologischen Verantwortung nachkommt. Geprüft wird das anhand von 20 Unternehmenskriterien. Diese wiederum berufen sich auf folgende fünf Kernelemente:

1. Unternehmenspolitik auf Menschenrechte und Umweltschutz ausrichten
2. Risiken und Auswirkungen in der Lieferkette analysieren
3. Effektive Maßnahmen ergreifen (z.B. Vergeben von Aufträgen nach umwelt- und menschenrechtlichen Kriterien)
4. Transparent und öffentlich berichten
5. Beschwerden berücksichtigen (durch Bereitstellung von fairen und transparenten Beschwerdemechanismen für die Arbeitnehmer*innen)

Die Produktprüfung basiert auf 26 Produktkriterien. Dabei werden außerdem bereits anerkannte Siegel wie GOTS, Fair Wear oder Blauer Engel als Grundlagen hinzugezogen. In der Einführungsphase werden jedoch noch nicht alle Produktionsschritte und auch noch nicht die gesamte Lieferkette überprüft. Die Produktkriterien gliedern sich in Umweltkriterien wie:

1. Verbot gefährlicher Chemikalien
2. Biologische Abbaubarkeit
3. Grenzwerte für Abwasser

und sozialen Kriterien wie:

1. Verbot von Zwangs- und Kinderarbeit
2. Zahlung von Mindestlöhnen
3. Gewährleistung von Arbeitsschutz und -sicherheit

Die Einhaltung der Kriterien wird durch unabhängige Prüfer*innen sichergestellt und alle drei Jahre findet eine Neuprüfung statt. Es kann jedoch auch unangekündigte Überwachungen geben, auch in den Produktionsstätten vor Ort. 

Welche Unternehmen sind schon dabei?

Insgesamt 27 Unternehmen – von Start-ups, über Mittelständler und nachhaltige Unternehmen bis hin zu großen Firmen – haben den Grünen Knopf bereits erhalten: Alma & Lovis, Aldi Nord, Aldi Süd, Brands Fashion, CharLe, Derbe, Dibella, Engel, Feuervogl, Hans Natur, hessnatur, Hopp, Kaufland, Kaya&Kato, Lidl, Manomama, Melawear, Millitomm, Modespitze Plauen, Phyne, Posseimo, Rewe Group, Schweickardt Moden, Tchibo, Trigema, Vaude, 3 Freunde.

Außerdem sind 26 Unternehmen momentan im Prüfprozess, darunter Hugo Boss, die Otto-Group und Socks4Fun.

Warum (noch) ein Siegel?

Es gibt bereits viele verschiedene Siegel im Textilbereich, die sich alle an unterschiedlichen Kriterien und Schwerpunkten orientieren. Entwicklungsminister Gerd Müller von der CSU spricht beim Grünen Knopf von einem “Meta- oder gar Signal-Siegel”, da es staatlich eingeführt und unabhängig kontrolliert werde. Das Besondere daran, so verkündete er, sei die Tatsache, dass das gesamte Unternehmen einer Prüfung unterzogen wird, die tiefer geht als die üblichen Inspektionen.. 

Was sagen die Kritiker*innen über den Grünen Knopf?

Bereits kurz nach Einführung des neuen Siegels, werden kritische Stimmen rund um den Grünen Knopf laut: Dabei geht es um die Unternehmenskriterien, den Prüfprozess oder die Freiwilligkeit, die hinter dem Siegel steht. 
So kritisieren Nichtregierungsorganisationen wie die christliche Initiative Romero, dass die Zahlung von Mindestlöhnen in den jeweiligen Produktionsländern, Hungerlöhnen entsprächen. Sie stellten keine existenzsichernde Gehälter dar, die den Arbeitnehmer*innen in den Textilfabriken einen akzeptablen Lebensstandard bieten, so Sandra Dusch Silva von der christlichen Initiative Romero. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die in Europa hergestellten Produkte, keinen Nachweis über die Einhaltung der sozialen Standards erbringen müssen.
Der Branchenverband für Textil und Mode ließ Bedenken verlauten, wie die Einhaltung der Standards bei der Vielzahl und Komplexität der Produktionsstufen wirklich sichergestellt werden kann
Wie die taz berichtete, seien viele Entwicklungs- und Umweltorganisationen, Gewerkschaften und der Bundesverband der Verbraucherzentrale kritisch gegenüber der Tatsache, dass die Teilnahme am Grüne Knopf freiwillig ist. Das anstelle des Siegels geforderte Lieferkettengesetz und sein Impact über die Textilbranche hinaus wird momentan noch geprüft und ein Ergebnis dieses Jahr erwartet.

Fazit: Abwarten und achtsam einkaufen 

Wir brauchen einen rein politischen Rahmen, der nicht auf Freiwilligkeit basiert, um alle Unternehmen zum Umdenken zu bringen und die Textilbranche komplett zu revolutionieren. Mit dem Grünen Knopf ist immerhin ein Siegel entstanden, das unter Berücksichtigung vieler momentan noch herrschenden Missstände in der Textilproduktion besonders nachhaltige Produkte hervorhebt. Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband meint dazu: „Der Grüne Knopf hat das Potenzial Verbraucherinnen und Verbrauchern eine bessere Orientierung im Siegeldschungel zu geben. Ob er die hohen Erwartungen erfüllt und bei Verbrauchern ankommt, hängt entscheidend von einer ehrlichen Kommunikation bei der Einführung des Siegels ab.“
Voraussetzung dafür ist aber, dass mehr Unternehmen teilnehmen als bisher angemeldet und auch die spürbare Wirkung bleibt abzuwarten.