Mit dem Erfolg im Beruf ist das so eine Sache. Häufig verbinden wir damit einen Chefposten, ein sattes Gehalt und viel Prestige. Doch diese Vorstellung greift viel zu kurz, denn Karriereplanungen, berufliche Ziele und Wünsche sind genauso vielfältig wie persönliche Lebenseinstellungen. Egal ob Investmentbanker, Start-up-Gründer oder Büroangestellter – wir alle wollen wissen: „Worauf kommt es an, um im Job erfolgreich zu sein?“

Ein heißes Thema

Die Frage scheint schon seit einigen Jahren Konjunktur zu haben. Unzählige Ratgeber und Seminare versprechen für mehr oder weniger viel Geld eine einfache Antwort. Die Suche nach der einen Wunderformel ist dabei längst zum Geschäft geworden. Besonders häufig hört man, dass bestimmte Eigenschaften wie Ausdauer, Leidenschaft und Engagement die Karriere begünstigen können.

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Das klingt eigentlich auch logisch, schließlich hat meine Großmutter schon immer gesagt: „Wenn du etwas willst, dann musst du dafür auch etwas tun!“ Die Formel für beruflichen Erfolg ist somit also ganz simpel. Wer erfolgreich sein will, muss einfach nur hart arbeiten. Doch reicht das wirklich aus?

Die Komponente Glück

Der italienische Wissenschaftler Alessandro Pluchino wollte sich mit dieser einfachen Formel nicht zufriedengeben und hat herausgefunden, dass noch weitere Erfolgsfaktoren von Bedeutung sind. In einer Studie hat er zusammen mit seinen Kollegen von der Universität Catania herausgefunden, dass der Verlauf unserer Karrieren auch von Glück und Zufällen abhängt.

Die Forscher behaupten dabei nicht, dass Glück der allein entscheidende Faktor ist. Doch zeigen ihre Daten, dass viele Menschen entscheidende Schritte zum beruflichen Erfolg verpassen, glückliche Zufälle und neue Wege gar nicht wahrnehmen, weil sie sich zu sehr auf die Optimierung ihres Könnens konzentrieren.

Auch Talent ist kein Erfolgsgarant

Die Studie zeigt aber nicht nur, dass das Erkennen und Nutzen glücklicher Zufälle einen Einfluss auf unseren Karriereverlauf haben. Die Wissenschaftler haben auch versucht, den Zusammenhang von Erfolg und Talent zu überprüfen, indem sie mit Hilfe eines mathematischen Modells die Karrierewege von sogenannten „Agents“ simulierten. Das Ergebnis: die talentiertesten Menschen sind selten die erfolgreichsten. Vielmehr kommen die erfolgreichsten Personen häufig aus der Gruppe der eher durchschnittlich talentierten Menschen.

Heißt das also harte Arbeit lohnt sich nicht, Engagement wird nicht belohnt und Talente sind völlig irrelevant? Zeigt die Studie endlich, dass wir uns einfach zurücklehnen sollten und darauf warten, dass ein glücklicher Zufall alles regelt?

Perspektive erweitern

Ob diese Einstellung tatsächlich zum beruflichen Erfolg führt, ist zumindest fraglich. Doch sollten wir öfter einmal innehalten. Vielleicht sind die Ergebnisse der Studie sogar ein Argument dafür, unseren durchgetakteten Berufsalltag zu überdenken und zu entschleunigen.

Wir sollten aufhören, uns und andere mit zu hohen Ansprüchen unter Druck zu setzen. Nehmen wir unsere Chancen wahr und versuchen jeden Tag aufs Neue unsere Ziele zu erreichen. Denn um glückliche Zufälle erkennen und nutzen zu können, bedarf es Offenheit und Neugierde, die uns in unserem, auf Selbstoptimierung getrimmten, Arbeitsalltag leicht verloren gehen. Glück allein reicht bestimmt nicht immer aus, aber komplett darauf verzichten sollten wir deshalb auf keinen Fall.

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