Jobs mit Sinn liegen hoch im Trend. Während noch vor 15 Jahren Gehalt und Sicherheit weit oben auf der Prioritätenliste von Arbeitnehmer*innen rangierten, setzt Generation Y heute bei der Arbeitgeberwahl auf eine angenehme Arbeitsatmosphäre und Selbstverwirklichung. Davon profitieren vor allem nachhaltige und soziale Unternehmen aus dem Non-Profit Bereich, deren Existenz durch sinnsuchende Bewerber*innen überhaupt erst gesichert ist. Als primärer Gedanke tauchen beim Stichwort "sinnstiftende Jobs" sehr klischeebehaftete Bilder auf: ein Auslandseinsatz bei Ärzte ohne Grenzen oder als Klimaschützer*in für eine internationale NGO im Kampf gegen Abholzung und Meeresverschmutzung. Das sind keineswegs unattraktive Tätigkeiten, aber muss ich unbedingt Trinkwasserbrunnen in Guinea errichten oder Solaranlagen in Deutschland konstruieren  – oder anders gefragt: reicht das überhaupt schon aus, um von einem "Job mit Sinn" zu sprechen?
 
Zunächst einmal bedeutet das Wort “Sinn”  nichts anderes als eine Sache, die einen bestimmten Zweck erfüllt. Damit kann ein „Job mit Sinn“ eigentlich jede Berufstätigkeit sein, selbst wenn der Zweck „nur“ darin besteht, Geld zu verdienen. Dementsprechend gibt es jede Menge Meinungen darüber, was einen sinnstiftenden Job ausmacht – meist in Begleitung von ausgeleierten philosophischen Debatten über den „Sinn des Lebens“ mit dem immer geichen Fazit: Dass jede*r für sich selbst entscheiden muss, was „richtig“ und was „falsch“ ist. 

Durch gemeinsamen Austausch die Arbeitswelt verbessern

Wir haben es dennoch – oder gerade deswegen – gewagt und gemeinsam mit unserer Community eine Diskussionsrunde über das Thema „Job mit Sinn“ in einem kleinen Event durchgeführt. „Gerade deswegen“, weil wir der Meinung sind, dass der Austausch auf diesem Gebiet unglaublich wichtig für Arbeitgeber*innen und Arbeitnehmer*innen ist. Er kann dabei helfen, die Bedürfnisse der gegenüberstehenden Seite zu verstehen, aber auch um unsere Berufswelt in eine nachhaltige Zukunft voranzutreiben. Mit an unserer Seite waren die Kolleg*innen von SwitchUp, deren Arbeit auf dem Freundschaftsprinzip basiert. Diese Vorgehensweise haben wir für unsere Veranstaltung übernommen. Statt einer monotonen Frontalbeschallung mit Expert*innen als Speakern schafften wir einen Austausch auf Augenhöhe, bei dem jede*r seine*ihre Meinung und Erfahrung in die Diskussion einbringen konnte. 

Herausgekommen sind dabei sehr unterschiedliche Betrachtungsweisen darüber, was ein Job mit Sinn eigentlich bedeutet und welche Kriterien er erfüllen muss. Mit unserer hier aufbereiteten Zusammenstellung der Ergebnisse möchten wir euch einen kleinen Anstoß zur eigenen Auseinandersetzung mit dem Thema geben.
 
Eine sinnvolle Tätigkeit setzen einige Arbeitnehmer*innen mit Selbstverwirklichung gleich, andere wiederum sehen darin die Möglichkeit, einen positiven Impact auszuüben. Zusammengefasst lassen sich daraus drei verschiedenen Ebenen formen: die persönliche, die gesellschaftliche und die politische. 

Die persönliche Ebene

Auf der persönlichen Ebene wird der Beruf im Idealfall zur Berufung. Sinn ist hier an die eigenen Werte und Fähigkeiten gebunden – ein sinnvoller Job baut diese aus und überschneidet sich inhaltlich mit den individuellen Interessen. Gleichzeitig kann sich der/die Arbeitnehmer*in voll und ganz mit dem Produkt oder der Dienstleistung des Unternehmens identifizieren. Aufgrund der unterschiedlichen Bedürfnisse und Talente, die jede*r einzelne mitbringt, ist die Definition eines Jobs mit Sinn in diesem Zusammenhang eine sehr persönliche. 

Die gesellschaftliche Ebene

Auf gesellschaftlicher Ebene ist die Betrachtung von Sinn wesentlich objektiver. Arbeitnehmer*innen, die großen Wert auf diese Komponente legen, finden sich häufig in den klassischen Care-Berufen, etwa als Lehrer*in oder im medizinischen Bereich. Hier können sie einen positiven Beitrag zur Gemeinschaft leisten. Um eine Abgrenzung der gesellschaftlich nützlichen Jobs zu den – in diesem Zusammenhang - unnützen Jobs zu bekommen, kann man sich auch die Frage stellen: Welche Auswirkungen hätte es, wenn es den Beruf X nicht mehr gäbe? Interessanterweise sind ausgerechnet Jobs mit bedeutenden Konsequenzen auf das Gemeinwohl vermehrt im niedrigeren Lohnsektor angesiedelt. Oder wie soll etwa eine Welt ohne Erzieher*innen und Pfleger*innen funktionieren? 
Ähnlich paradox ist der Zusammenhang zwischen sozialer Anerkennung bestimmter Berufsfelder und dem damit zusammenhängenden sozialen Image. So genießt ein*e Manager*in heute immer noch einen  höheren Stellenwert in der Gesellschaft als zum Beispiel ein*e Handwerker*in. Wenn erstere*r sich dazu entschließt das Großraumoffice gegen eine Malerwerkstatt einzutauschen, ist das zwar mutig, die Gesellschaft zückt in solchen Fällen aber dennoch viel zu oft den „Versager“-Stempel anstelle den Hut zu ziehen. Denn: wer weniger Geld verdient, verdient auch weniger Anerkennung. Diese Engstirnigkeit könnte uns auch auf die eigenen Füße fallen. Indem wir das Ansehen eines Berufes an sein Einkommen knüpfen, vergrößern wir nicht nur die Einkommens-Gap, sondern verhängen damit auch ein negatives Image über gesellschaftlich unverzichtbare Berufe. 

Die politische Ebene

Der politische Einfluss von Konzernriesen wie Coca-Cola lässt sich wohl kaum bestreiten und ob wir es gut finden oder nicht – die wirtschaftliche Komponente steigt in ihrer Gewichtung bei gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen. Umso schöner, dass sich zunehmend kleinere Unternehmen und Organisationen dafür einsetzen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Man denke zum Beispiel an die erfolgreiche Kampagne des Startups “Einhorn”, das seine Petition gegen die Luxusbesteuerung von Periodenprodukten bis zur Debatte im Bundestag vorantreiben konnte. Ein Job mit Sinn auf dieser Ebene bedeutet, die eigenen politischen Überzeugungen über die berufliche Tätigkeit zu pushen. Das trifft besonders auf Gründer*innen zu, die nicht selten ein Unternehmen mit dem Ziel aufbauen, gegen bestehende Ungerechtigkeiten und Missstände vorzugehen. Vielleicht ist es tatsächlich ein gesellschaftlicher Wandel zum bewussteren Konsum, vielleicht steckt auch „nur“ der David-Goliath-Effekt  (eine Reaktion aus der Verhaltensforschung, bei der Verbraucher*innen mit kleinen “bedrohten” Unternehmen sympathisieren) dahinter. Fakt ist: die sozialen Underdogs schlagen sich auf politischem Terrain gar nicht so schlecht. Ein Beispiel hierfür ist Lisa Jaspers. Die Gründerin von folkdays, rief die Petition #fairbylaw ins Leben, um für mehr Transparenz in der Bekleidungsindustrie zu kämpfen. Innerhalb kürzester Zeit ging das Thema in sämtlichen Social-Media-Kanälen viral und bekam so viel Zustimmung, dass die Petition mittlerweile in die zweite Runde geht.
Es muss also nicht immer gleich eine internationale NGO sein: Arbeitnehmer*innen mit einem Hang zu Politik können auch bei kleinen Unternehmen eine sinnstiftende Tätigkeit finden, sofern die Unternehmensphilosophie zu den eigenen Werten passt.

Eine Welt voller sinnstiftender Jobs?

Neben den Kriterien für einen sinnstiftenden Job sollten wir aber auch eine Antwort auf die folgende Frage suchen: kann eine Welt existieren, in der jede*r Berufstätige einen Job mit Sinn ausübt? An dieser Stelle kommt man nicht darum herum, sich einzelne Berufe näher anzusehen. Zum Beispiel wurde der Job des Bäckers von vielen Teilnehmer*innen unseres Events zweifellos als sinnvolle Tätigkeit gesehen, da mit der Tätigkeit ein Nutzen für die Gesellschaft entsteht. Andere wiederum lehnten diese Zuordnung aufgrund von fehlendem Impact im sozialen oder nachhaltigen Bereich ab. 
 
Aber ist wirklich jeder Job, der nicht sinnvoll ist, folglich sinnlos? Der Anthropologe David Graeber beschäftigte sich mit dieser Frage und widmete den sogenannten „Bullshit-Jobs“ ein ganzes Buch. Darin definiert er das Phänomen als „eine Form der bezahlten Anstellung, die so vollkommen sinnlos ist, dass selbst derjenige, der sie ausführt, ihre Existenz nicht rechtfertigen kann, obwohl er sich im Rahmen der Beschäftigungsbedingungen verpflichtet fühlt, so zu tun, als sei dies nicht der Fall.“ 
Gaebler geht in seiner Betrachtung sogar soweit, dass er die Ausführung eines Bullshit-Jobs mit einer „perfiden Folter“ vergleicht. Unter dieser Annahme sind auch Berufe wie Bäcker*in definitiv sinnstiftend und eine Welt ohne sinnlose Berufe nicht bloß reine Utopie.

Mehr Jobs mit Sinn durch technischen Fortschritt

Und fest steht: Wenn bis 2025 jeder dritte Job von einem Roboter übernommen wird, sollten wir nicht von einer „Gefahr für unsere Arbeitsplätze“ sprechen. Vielmehr sollten wir die Chance erkennen, monotone Arbeiten abgeben zu können und den Fokus wieder auf das zu lenken, was wichtig ist. Besonders im Bereich der Care-Berufe würden sowohl Bezieher*innen als auch Arbeitnehmer*innen profitieren. Eine Automatisierung bedeutet hier mehr Zeit für Menschlichkeit, während Maschinen im Hintergrund die „lästigen“ und zeitraubenden Tätigkeiten verrichten. Denn in Punkto Empathie und Kreativität kann uns Menschen so schnell kein Roboter ersetzen. Zusammen mit der Überlegung eines bedingungsloses Grundeinkommen könnten wir das volle Potenzial unserer Gesellschaft ausschöpfen und die allgemeine Zufriedenheit maßgeblich erhöhen. Damit könnte die kritische Existenzfrage nach einer Welt voller sinnvoller Jobs bald überflüssig werden.

Auch wir bei GoodJobs haben uns viele Gedanken über die Kriterien für einen Job mit Sinn gemacht. Wenn auch du nach einem GoodJob suchst, der zu dir passt und gleichzeitig einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft oder Umwelt hat, schau doch mal in unseren aktuellen Stellenangeboten vorbei.