Fast drei Jahre ist die sogenannte „Flüchtlingskrise“ schon her. Und seit fast drei Jahren sind Flucht und Migration in der einen oder anderen Art das Hauptthema in der öffentlichen Debatte.

Der Diskurs ist dabei in großen Teilen vergiftet und alles andere als konstruktiv. Dabei gibt es durchaus gute Nachrichten: Ein Bericht des Instituts für Arbeits- und Berufsforschung zeigte, dass von Geflüchteten aus Kriegs- und Krisenländern über ein Viertel bereits einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz gefunden hat.

Zwar ist der Anteil von Menschen in Beschäftigung unter Ausländern insgesamt fast doppelt so hoch und die Beschäftigungsquote in ganz Deutschland bei fast 75 Prozent. Dennoch zeigt die Zahl: Geflüchtete lassen sich in den Arbeitsmarkt integrieren. Dabei helfen inzwischen auch allerlei Initiativen und Sozialunternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen. Wir haben hier einmal einige Initativen mit Flüchtlingshilfe Jobs zusammengetragen:

In der Gastronomie

Geflüchtete können nicht nur den Arbeitsmarkt mit ihrer Arbeitskraft bereichern, sondern vor allem unsere Kultur. Das fängt ganz klassisch in der Küche an: Die bekannte Initiative „Über den Tellerrand“, hat kein anderes Ziel, als Geflüchtete mit Einheimischen zusammenzubringen – über gemeinsames Kochen. Dafür gibt es eigene Kochkurse oder die „Kitchen on the run“, mit der das Team durch Europa und Deutschland tourt.

Auch bei der Refugee Canteen der Gastrolotsen steht die  Integration im Mittelpunkt. Allerdings will das Projekt ausdrücklich einen „Brückenschlag ermöglichen zwischen Kompetenzfeststellung und Einstieg in die Duale Ausbildung oder in den Arbeitsmarkt“. Die Refugee Canteen ist aber ebenso offen für Zuwanderer aus Ost- und Südeuropa oder Arbeitslose.

Daneben gibt es zahlreiche Projekte in der Hotellerie, die dank geringer Einstiegshürden für Neuankömmlinge einen ersten Zugang zum Arbeitsmarkt schaffen. Ein Beispiel ist das Wiener Hotel Magdas, in dem sich seit dem Frühjahr 2015 Geflüchtete um das Wohl der Gäste kümmern.

Im Handwerk

Noch etwas praktischer wird es in der Handwerkerbranche. Zum Beispiel bei Mimycri, auch wenn das Konzept auf den ersten Blick etwas makaber klingt: In dem Unternehmen stellen Geflüchtete nämlich Taschen und Rucksäcke her – aus genau den Schlauchbooten, mit denen sie und andere Menschen die Überfahrt über das Mittelmeer gewagt haben. Die Wirkung für die Beschäftigten sei aber erstaunlich positiv, wie die Gründer berichten.

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Daneben gibt es noch einige andere Projekte, die gezielt alte Näh- und Webtechniken erhalten wollen – und dafür auf das Wissen und die Fähigkeiten von Geflüchteten zurückgreifen.

Gerade das Handwerk leidet in Deutschland unter einem Nachwuchsmangel – und ist daher eine gute Anlaufstelle für Geflüchtete, die Arbeit suchen. Dabei gibt es dezidierte Projekte wie Fair Furnisher, aber vor allem sind es viele kleine, lokale Erfolgsgeschichten in etablierten Traditionsbetrieben, die insgesamt eine große Erfolgsstory schreiben.

In der Bildung

Egal, ob in Deutschland oder anderswo geboren: Für einen guten Zugang zum Arbeitsmarkt braucht es Bildung. Die ist bei Menschen aus Krisen- und Kriegsgebieten oft nicht ausreichend gegeben – oder passt nicht zum deutschen Markt und seinen Vorschriften.

Die Online-Uni Kiron arbeitet schon seit Jahren daran, das zu ändern. Gegründet 2015 mit dem expliziten Anspruch, Geflüchteten den Zugang zu Hochschulen zu ermöglichen, ist das Projekt inzwischen auch international erfolgreich. Das Team umfasst über 70 Mitarbeiter und Helfer, deren Arbeit auch schon mit einigen Preisen ausgezeichnet wurde.

Am Rande zählt auch die Initiative „integraide“ dazu. Das Würzburger Team bildet Freiwillige zu Job-Coaches aus. Sie sollen dabei helfen,  Geflüchtete und Unternehmen gezielt zusammenzubringen. Daneben gibt es gerade auf lokaler Ebene, beispielsweise an Volkshochschulen, auch in diesem Bereich viele kleine Initiativen, die sehr erfolgreich Geflüchtete selbst als Lehrer einsetzen, damit sie beispielsweise anderen menschen ihre Muttersprache beibringen.

In der Zeitarbeit

Zeit- und Leiharbeit hat generell keinen guten Ruf, da die dort Beschäftigten mitunter als Angestellte zweiter Klasse empfunden und behandelt werden.

Sie bieten aber die Möglichkeit eines vereinfachten Zugangs zum Arbeitsmarkt und können eine Art Sprungbrett für eine dauerhafte Beschäftigung sein. So begreifen es auch Zeitarbeitsfirmen, die sich explizit an Geflüchtete richten. Das gemeinnützige Unternehmen Avenir definiert laut Eigenaussage Zeitarbeit „sozial“ – und will über gezielte Förderung und Ausbildung Neuankömmlingen einen schnellen Zugang zum Arbeitsmarkt bieten.

Ähnlich macht es Social-Bee. Das Unternehmen wirbt zudem mit den Vorteilen für andere Unternehmen, die auf die geflüchteten Zeitarbeiter zurückgreifen: Sie können Geflüchtete relativ unkompliziert kennenlernen und bei Bedarf entsprechend übernehmen.

Jobplattformen für Geflüchtete

So wie wir uns generell um Jobs kümmern, die die Welt verbessern, gibt es natürlich auch einzelne Plattformen, die genauso gezielt als Vermittler zwischen Geflüchteten und Unternehmen auftreten.

Auf der Jobbörse Workeer beispielsweise sind schon über 2700 Arbeitgeber registriert, zu denen auch große Konzerne wie die Deutsche Telekom oder SAP gehören. Aber nicht nur Bewerber können auf der Plattform nach passenden Stellen suchen, auch die Unternehmen selbst können einen Pool von potenziellen Bewerbern nach dem nächsten Mitarbeiter durchforsten.

Noch einen Schritt weiter geht „jobs 4 refugees“. Die Plattform stellt nicht nur Jobangebote für Geflüchtete zusammen, sondern bietet auch individuelle Beratung während des gesamten Einstellungsprozesses und hilft, Bewerbungsunterlagen zu erstellen oder bei der Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch.

Bei großen Konzernen und im Mittelstand

Natürlich haben auch einige Konzerne das Potenzial der Neuankömmlinge erkannt. Und glaubt man den Pressemitteilungen und CSR-Abteilungen, sind sich viele Unternehmen auch der Verantwortung bewusst, die sie bei der Integration spielen.

So haben sich vor allem zwei große Initiativen herausgebildet, die zum einen Unternehmen im großen Stil vernetzen wollen. Über diese Plattformen und Best-Practice-Beispiele soll der Austausch über gelungene Integration gefördert und dem Thema zu mehr Aufmerksamkeit geholfen werden.

Eher auf den Mittelstand zielt das „Netzwerk Unternehmen integrieren Flüchtlinge“. Dabei geht es nicht nur um gelungene Integration in den Arbeitsmarkt, sondern auch darum, wie Unternehmen sich ehrenamtlich engagieren können.

Mit einem ähnlichen Anspruch hat sich auch „Wir zusammen“ gegründet. Die „Integrations-Initiative der deutschen Wirtschaft“ konnte vom Start weg schon auf große Konzerne wie Adidas, Lufthansa, Siemens oder Airbus setzen. Dabei geht es nicht nur um konkrete Jobangebote, sondern auch um andere Projekte und Patenschaften, um bei Behördengängen zu helfen oder eine einfachere Erstversorgung. Inzwischen sind über 18.000 Mentoren von 225 Mitgliedern bei „Wir zusammen“ vernetzt.

Im kulturellen Austausch

Die vielleicht größte Bereicherung, die Geflüchtete uns geben können, sind ihre Geschichten und Erfahrungen – sie eröffnen uns einen Zugang zu ihren Lebensrealitäten. Dieser kulturelle Austausch fördert nicht nur das Verständnis untereinander, sondern erweitert auch den eigenen Horizont und ist eine ganz besondere Form der kulturellen Bildung.

Genau diesen Zugang zueinander will beispielsweise das Projekt Querstadtein schaffen. Die Initiative hat sich bereits 2013 gegründet und bietet in erster Linie Stadtführungen an, die von Obdachlosen geleitet werden. Das Konzept hat das Team inzwischen auf Geflüchtete erweitert. Sie erzählen einem nicht nur von ihren persönlichen Erlebnissen, sondern vor allem, wie sie bei uns Leben.

Genau dieser Ansatz kommt in den Medien leider noch viel zu kurz, was vor allem daran liegt, dass wir damit beschäftigt sind, über Geflüchtete zu sprechen statt mit ihnen. Abseits der Massenmedien gibt es aber inzwischen eine Reihe von Zeitungen, Zeitschriften und Magazinen, die Geflüchtete in kompletter Eigenregie erstellt haben und sich so Gehör verschaffen wollen, darunter „Neuland“ als eine der ersten.

„Newscomer“ will lieber an den bestehenden Strukturen arbeiten. Dafür bilden Geflüchtete sogenannte Reportertandems mit Journalisten von Lokalzeitungen. So erhalten die einen eine Plattform, eine eigene Stimme, die anderen neue Einblicke und ein verstärktes Bewusstsein für entsprechende Themen.


Natürlich gibt es noch unzählige weitere Initiativen und vor allem Menschen, die sich für eine gelungene Integration engagieren – bis heute. Denn alle vorgestellten und nicht vorgestellten Projekte zeigen vor allem eines: Es lohnt sich, dranzubleiben, gerade beim Thema Integration. Und es lohnt sich, genau darüber zu diskutieren statt nur über Abschiebungen, Ankerzentren oder Quoten.

 

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